Die letzte Hoffnung unserer Altersvorsorge

Andri SilberschmidtBlog

Share this Post

Ist unser Erspartes in Bundesbern am besten aufgehoben?

Unser 3-Säulen-Vorsorgesystem ist im 20. Jahrhundert konzipiert worden und weder auf den demografischen Wandel noch auf die heutige Langlebigkeit ausgerichtet. Um den Schiffbruch rechtzeitig zu verhindern, ist die Eigenverantwortung zu stärken. Die freie Wahl der Pensionskasse ist das dafür geeignete Instrument.

10 Revisionen hat die AHV seit ihrer Einführung im Jahre 1948 hinter sich. Dank Wohlstand und Fortschritt in Medizin und Technik leben wir immer länger. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Allerdings muss die Altersvorsorge mit dem demografischen Wandel Schritt halten. Die Politik hat es versäumt, das im 20. Jahrhundert konzipierte 3-Säulen-Vorsorgesystem an die Bedingungen des 21. Jahrhunderts anzupassen.

Heute schreibt die AHV trotz 10 Milliarden Bundesbeiträgen über 320 Millionen CHF Verlust. Ein Arbeitsleben lang zahlen wir in die kapitalgedeckte Pensionskasse ein. Vom angesammelten Kapital werden jährlich 6,8 Prozent ausbezahlt, es ist folglich darauf ausgelegt, dass der durchschnittliche Schweizer 14,7 Jahre lang eine Rente beziehen wird. Gleichzeitig beträgt die heutige Lebenserwartung aber 85 Jahre – ein finanzielles Defizit ist vorprogrammiert. Das wird von den arbeitenden Personen in der Schweiz gedeckt, von denen jährlich je 1000 CHF an die Pensionierten umverteilt werden. Damit entspricht der aktuelle Rentenumwandlungssatz nicht mehr der Realität: er ist viel zu hoch. Als weitere Herausforderung kommt die von vielen Zentralbanken forcierte 0-Zins-Politik hinzu – galt die Anlagerendite bei den Pensionskassen doch lange als «dritter Beitragszahler».

Was nun? Wir müssen die Parameter in unserem Vorsorgesystem überdenken. Macht ein starres Referenzalter zum Eintritt in die Pension Sinn? Wieso legt der Bundesrat um Innenminister Alain Berset fest, wie unsere Vorsorgegelder zu investieren sind (der internationale Finanzmarkt richtet sich nicht nach den Wünschen von Schweizer Bundesräten)? Wieso wird der Rentenumwandlungssatz nicht von der Politik entkoppelt und vernünftig mathematisch berechnet?

Wieso eigentlich vertrauen wir den Grossteil unserer Vorsorge, also die Früchte langjähriger Arbeit, Bundesbern an, und übernehmen nicht mehr Eigenverantwortung?

Eine grundlegende Rentenreform kann nur gelingen, wenn wir institutionelle Regeln definieren, die von uns allen respektiert und gelebt werden. Dabei gilt es zwei Stossrichtungen zu verfolgen:

  • Die AHV braucht dringend eine Schuldenbremse, welche den Rentenklau an der arbeitenden Bevölkerung bremst, ohne die laufenden Renten zu gefährden. Konkret heisst dies: Wenn die AHV Verluste schreibt, soll das Rentenalter pro Jahr um einen Monat erhöht werden. Des Weiteren sollen die Beiträge in das Umlagesystem langfristig gesenkt werden, um die kapitalgedeckte Vorsorge zu stärken.
  • Die Eigenverantwortung in der 2. Säule ist zu stärken. Mit der Möglichkeit einer freien Pensionskassenwahl können sich Anbieter von hoher Qualität besser abheben, und wir alle können die Kasse auswählen, die unseren Bedürfnissen entspricht. Durch diesen Wettbewerbsmechanismus setzen sich die besten Kassen durch. Heute reglementiert der Bundesrat jedes kleine Detail bis hin zur Anlagestrategie der Pensionskassen. Die finanziellen Folgen durch die vielfach veralteten Vorschriften tragen wir alle.

Zusammengefasst heisst das: Weg von der Monopolversicherung, hin zu einer Versicherungspflicht mit Entscheidungsfreiheit. Die Altersvorsorge ist ein zu wichtiges Thema, um sie zum Spielball von Interessenpolitik zu machen. Sie muss entpolitisiert werden. Denken Sie an die kommenden Generationen und lassen Sie uns nicht zum Totengräber der Altersvorsorge werden.