🇹🇭1. August Ansprache 2017🇹🇭

Andri SilberschmidtBlog

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Anrede und persönlicher Einstieg bezogen auf die Gemeinde Lindau (ZH) resp. RĂŒti (ZH)

Was macht fĂŒr Sie eine Liebesbeziehung aus?

Zuneigung? Funken? Schmetterlinge im Bauch?

Ich habe eine Liebesbeziehung mit meiner Freundin. Und ich habe eine Liebesbeziehung mit dem Liberalismus. WĂ€hrend ich zu Ihrem VerstĂ€ndnis Ersteres nicht weiter ausfĂŒhren werde, gehe ich auf die Liebesbeziehung mit dem Liberalismus nĂ€her ein.

In den kommenden Minuten nehme ich Sie mit auf eine Reise, bei der ich mit Ihnen meine Gedanken ĂŒber den Liberalismus teile. Ich werde Ihnen an konkreten, persönlichen Anekdoten aus meinem Leben aufzeigen, wie die liberalen Werte Chancen ermöglichen.

Die Liebe zum Liberalismus ist auf mein Teenageralter zurĂŒckzufĂŒhren. Als ich mit 15 Jahren genug davon hatte, 5 Tage die Woche die Schulbank zu drĂŒcken, machte ich mich auf die Suche nach einer Berufslehre.

Obwohl ich dazumal ein fauler SchĂŒler und noch kein engagierter Jungpolitiker war, hat mir die ZĂŒrcher Kantonalbank die Möglichkeit gegeben, mich als Lernenden unter Beweis zu stellen.

Die Schweizer Berufslehre ist etwas Einzigartiges. Da nehmen tausende Unternehmen in der Schweiz Verantwortung fĂŒr die kommende Generation wahr, indem sie AusbildungsplĂ€tze schaffen und Geld in die Ausbildung des Nachwuchses investieren.

Eine Liebesbeziehung muss Hoch und Tiefs ĂŒberstehen können.

Das Hoch der Berufslehre ist, dass ĂŒber die HĂ€lfte der Jugendlichen, die vor der Ausbildungswahl stehen, sich fĂŒr eine Lehre entscheiden (71‘000 Personen im Jahr 2017). Das Tief ist, dass trotz der hohen Nachfrage auch in diesem Jahr nicht alle Lehrstellen besetzt werden können.

Dieser strukturelle Wandel wird nicht aufzuhalten sein. Dennoch oder gerade deswegen ist es umso wichtiger, Unternehmer zu stÀrken, die in die Schweiz als Standort investieren. So kann der Lehrstellenmarkt auch in Zukunft florieren.

Sie haben die freie Wahl, wo Sie Ihre EinkĂ€ufe tĂ€tigen. Ich lege Ihnen ans Herz, Schweizer GeschĂ€fte zu unterstĂŒtzen, die uns jungen Menschen eine Ausbildung ermöglichen.

WĂ€hrend meiner Berufslehre nahm ich an einem Wettbewerb meines Arbeitgebers teil. Dies hatte zur Folge, dass ich heute vor 6 Jahren, am 1. August 2011, in ZĂŒrich meine erste Vorrede zum Nationalfeiertag halten durfte. Daraus entwickelte sich dann meine Begeisterung fĂŒr den Liberalismus und die Politik.

Die vielfÀltigen Möglichkeiten der direktdemokratischen Partizipation am gesellschaftlichen Geschehen ist in der Schweiz im Vergleich zu vielen anderen LÀndern einmalig.

Liberale Errungenschaften wie die Meinungsfreiheit, die Eigentumsrechte oder die Rechtssicherheit geben den Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz die nötige politische StabilitÀt, um darauf basierend ihr Erfolgsmodell weiterzuentwickeln.

Doch wenn Sie in den letzten Tagen den Auslandteil ihrer Zeitung studieren, fĂ€llt Ihnen auf, dass diese Werte keine SelbstverstĂ€ndlichkeit sind. Denn die Tendenz zur Beschneidung liberaler Grundwerte nimmt zu. Die Entwicklungen in der TĂŒrkei oder Osteuropa sind besorgniserregend.

Wie es in einer Beziehung Tabus gibt, gibt es auch solche fĂŒr das gesellschaftliche Zusammenleben. Ein solches Tabu sind Angriffe auf den liberalen Rechtsstaat und dabei insbesondere die Menschenrechte.

Gehen wir zurĂŒck zu meiner Berufslehre. Das duale Bildungssystem der Schweiz erlaubte mir trotz Abbruch des Gymnasiums, ein Teilzeitstudium an der Fachhochschule in Winterthur zu beginnen.

Dabei hatte ich ausserdem die Chance, ein Semester in London zu absolvieren. Dank dem Liberalismus kennen wir den freien Austausch von Waren und die FreizĂŒgigkeit von Personen. Das sind Errungenschaften, welche zurzeit von links und rechts aussen angegriffen werden. Es ist deshalb an der Zeit, diese Freiheiten zu verteidigen.

Denn dank dem Austausch von GĂŒtern können wir uns stĂ€rker spezialisieren und das produzieren, wo wir die Besten sind und „Schweizer QualitĂ€t“ geschĂ€tzt wird. Dazu kommt, dass aufgrund der FreizĂŒgigkeit von Personen die bestmöglichen FachkrĂ€fte aus der ganzen Welt bei uns in der Wirtschaft oder Forschung tĂ€tig sind und wir gegenseitig die Chance haben, im Ausland Erfahrungen zu sammeln.

Ein Leben ohne diese beiden Grundfreiheiten wÀre unvorstellbar!

Nach meinem Auslandssemester – zurĂŒck in der Schweiz – fand ich mit zwei Kollegen eine Wohnung mitten in ZĂŒrich, die wir uns zusammen leisten können.

Auch wenn der ZĂŒrcher Wohnungsmarkt kein Anschauungsmaterial liberaler Politik bietet, darf dennoch festgehalten werden, dass viele Private ihre Verantwortung wahrnehmen und zu bezahlbaren Preisen Wohnungen zur VerfĂŒgung stellen. Angemessene Mieten haben wir nur dann, wenn das Angebot auf die Nachfrage ausgerichtet wird und der Wohnraum kostengĂŒnstig genutzt werden kann.

Das bedeutet, dass situativ mehr Wohnraum geschaffen werden muss. Weiter gehören unnötige Bestimmungen abgeschafft, Bewilligungsverfahren beschleunigt und Um- wie auch Zwischennutzungen vereinfacht.

Nachdem wir uns in der Stadt ZĂŒrich eingenistet haben, entstanden neue interessante Kontakte und der Reiz, selber ein Unternehmen zu grĂŒnden.

Mit Freunden war ich im Februar dieses Jahres in den Ferien in Bangkok, wo ich einen Sushi Burrito gegessen habe. Sushi Burrito? Ja, der sieht in etwa wie eine XXL Sushirolle aus. Der hat mir so geschmeckt, dass ich mich mit ein paar Kollegen entschlossen habe, Sushi Burritos und PokĂ© Bowls in der Stadt ZĂŒrich zu verkaufen.

Wir haben daraufhin ein Pop-Up GeschÀft im Herzen der Europaallee eröffnet. Seit Juni kommen nun Sushi-Liebhaberinnen und Liebhaber in den Genuss dieser gesunden Mahlzeit. Doch, was will ich damit sagen?

Unternehmerisch tĂ€tig sein – das geht nur im Liberalismus! Scheitern? Das muss möglich sein.

Ich bin ĂŒberzeugt, dass wir die Erfolgsgeschichte der Schweiz nur weiterschreiben können, wenn unternehmerisches Handeln und das Ergreifen von Eigeninitiative wieder vermehrt gelebt wird, ohne dass Scheitern verpönt wird.

Stellen Sie sich vor, man könnte in der Schweiz ein Unternehmen grĂŒnden, ohne ein einziges Blatt Papier auszufĂŒllen. Unser Ambitionsniveau muss sein, dass die Schweiz das GrĂŒnderland ist, welches kreative unternehmerisch tĂ€tige Personen aus der ganzen Welt anzieht.

Wie in einer Liebesbeziehung gibt es auch im Liberalismus Unstimmigkeiten. Manchmal versteht man nicht, wieso fĂŒr kleine Probleme eben nicht eine neue Regelung notwendig ist. Oder manchmal gefĂ€llt einem das Resultat nicht, das der Markt hervorbringt.

Toleranz ist aber das A und O einer freien Gesellschaft. Nicht alles, was uns persönlich nicht passt, soll durch die Politik geregelt, besteuert oder verboten werden.

Das beginnt im Kleinen – bei Unstimmigkeiten mit dem Nachbarn – und hört im Grossen auf. Denken Sie dabei an das Hornverbot fĂŒr Schiffe auf dem ZĂŒrichsee. Oder Bestrebungen fĂŒr ein Gesetz fĂŒr Grill- und Ofenhandschuhe. Wenn es darum geht, EinschrĂ€nkung der Freiheit zu beschliessen, ist die Politik und Verwaltung stets kreativ.

Dieser Trend ist aber nicht gut. Denn nur wenn eine Gesellschaft frei ist, können wir unser Leben frei bestimmen.

Bestimmt alle unter Ihnen wissen, dass eine Liebesbeziehung das eine oder andere Mal einen neuen „Kick“ braucht, um wieder an Schwung zu gewinnen. Einen solchen Kick hat auch die Schweiz dringend nötig!

Mir kommt es so vor, als ob in den letzten Jahren mehr Altes verwaltet, als Neues angepackt worden ist. „Es geht uns ja gut, weshalb sollen wir eine Extrarunde rennen.“, lautete der Tenor. Dabei richtet sich mein Appell nicht nur an Bundesbern, wo Reformen wie die Altersvorsorge nur halbherzig angepackt werden. Mein Appell richtet sich an die gesamte Gesellschaft.

Wir mĂŒssen mehr Mut beweisen. Mehr anpacken und Ă€ndern, was uns stört, und dabei zusammenstehen, um Lösungen zu finden. Nicht mehr nur darĂŒber sprechen und sich Ă€rgern, was einem nicht gefĂ€llt. Werden Sie laut, holen Sie sich VerbĂŒndete, und packen Sie an, um unser Land fit fĂŒr die Zukunft zu machen.

Wir sind als Land nicht primĂ€r erfolgreich, weil die Politiker in Bern die intelligentesten Lösungen austĂŒfteln. Es sind Sie, es sind wir alle, die fĂŒr die Zukunft Verantwortung ĂŒbernehmen. Und dies nicht zuletzt an der Urne, wo wir durch unsere Stimme Impulse fĂŒr ein qualitatives Wachstum tĂ€tigen können.

Die Schweiz ist eine Willensnation, wird immer wieder gesagt. Doch, was genau heisst das? „Als Willensnation bezeichnet sich ein Staat im Sinne einer voluntaristischen, also bewusst gewollten Gemeinschaft von ansĂ€ssigen BĂŒrgern unterschiedlicher ethnischer Herkunft.“, schreibt Wikipedia.

Zentral sind meiner Meinung nach die Begriffe voluntaristisch – was freiwillig bedeutet – und unterschiedliche Herkunft. Wir haben vier Landessprachen und wir haben tausende Vereine. Fragen Sie aber einmal den Fussballverein in ihrer Ortschaft, ob es genug freiwillige Helfer hat oder junge ZĂŒrcher, wie gut es um ihr Französisch steht. Ich muss Ihnen gestehen, bin da leider auch keine löbliche Ausnahme.

Wie steht es somit um die Schweiz im 21. Jahrhundert? Verbindet uns ein Like auf einer Facebook-Seite mehr als die gemeinsame Herkunft oder die verschiedenen Landessprachen? Ich will weder den Untergang dieser Kultur herbeibeschwören, noch die Willensnation des 21. Jahrhunderts neu definieren.

Was ich will, ist Sie zum Nachdenken anregen. Was bedeutet fĂŒr Sie heute Willensnation und wie wird sie sich in Zukunft entwickeln? MĂŒssen wir es einfach hinnehmen, dass die Vereine immer mehr um Personal kĂ€mpfen mĂŒssen oder sogar verschwinden? Wird das einfachere Englisch unsere Landessprachen ĂŒberdecken?

Unsere Gemeinschaft im Dorf, im Kanton, in der ganzen Schweiz liegt in unserer Hand und wird durch uns gelebt.

Persönlich gehe ich davon aus, dass sich die Willensnation weiterentwickeln wird.   In Zukunft werden weitere EinflĂŒsse unsere Gesellschaft prĂ€gen, wie z. B. die Digitalisierung. Es liegt an uns, diese Entwicklung positiv zu beeinflussen und das Beste daraus zu machen. Das heisst konkret, dass alles was online ist, nicht primĂ€r verteufelt werden soll, aber alles was offline ist, umso bewusster genossen wird. Es beginnt beim Mittagessen, wo das Handy eben nicht auf dem Tisch sein sollte.

Ich hoffe, Sie haben wĂ€hrend meiner „Tour d’Horizon“ den einen oder anderen Eindruck erhalten, wieso mir der Liberalismus am Herzen liegt. Und ich bin der Überzeugung, dass dieser die Schweiz gross gemacht hat.

Ich bin ĂŒberzeugt davon, dass wir die besten Zeiten noch vor uns haben, wenn wir denn auch wollen. Die Freiheit jedes Einzelnen, verbunden mit Wohlstand und einer intelligenten Vernetzung auf der ganzen Welt gibt uns die besten Grundlagen dafĂŒr. So, dass die Schweiz auch in den kommenden Jahren lebens- und liebenswert bleibt, weil sie durch uns geprĂ€gt wird.

Wer weiss, vielleicht beginnt heute Ihre Liebesbeziehung zum Liberalismus?

Geniessen Sie mit Zuneigung, Funken und Schmetterlingen im Bauch unseren Nationalfeiertag.

Alles Gute zum Geburtstag, liebe Schweiz.

Ich bedanke mich herzlich fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit.

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