Die Politik und das selbstfliegende Auto

Andri SilberschmidtBlog

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Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Jahr 2050. Sozusagen 30 Jahre nach der Altersreform 2020 und kurz vor dem Ende der Energiestrategie 2050, falls diese Vorlagen eine Mehrheit beim Volk finden. Wie werden Sie im Jahr 2050 nach einem Abendessen wie heute nach Hause gehen?

Ich wage die Behauptung, dass Sie dank eines Knopfdruckes auf ihrem Smartphone, das bis dann wohl mehr „smart“ als „phone“ sein wird, ein selbstfahrendes Auto bestellen können. Wahrscheinlich aber heisst dieses Ding dann aber nicht mehr „Auto“. Und wahrscheinlich fliegt es in der Luft, anstelle auf der Strasse zu fahren.

Was futuristisch klingen mag, kommt wohl schneller auf uns zu, als wir das einschätzen. Der digitale Fortschritt wurde in der Vergangenheit von den Menschen stets unterschätzt – und er wächst exponentiell. Die Politik kann während dieser Entwicklung viel Richtig oder Falsch machen.

Als junger Zeitgenosse sind für mich drei Punkte zentral, die wir in der Politik, aber auch die ganze Gesellschaft, zu berücksichtigen haben. Ein Punkt will ich abschliessend ausführen und zwei Punkte mit offenen Fragen zurücklassen, um das Gespräch beim Hauptgang anzuregen.

Erstens: Die Basis für einen zivilisatorischen Fortschritt ist der liberale Rechtsstaat. Bewährte liberale Institutionen müssen mit Nachdruck verteidigt werden. Ich spreche von Grundwerten wie der Demokratie, der Gewaltenteilung, die Meinungs- und Redefreiheit und fundamentale Eigentumsrechte. Erstmals ist die Zahl an demokratisch regierten Länder nicht mehr am Steigen, sondern am Sinken. Dieser Entwicklung gilt es gerade als Junge entgegenzutreten: Angriffe von Links- und Rechtsaussen auf unsere Grundwerte gelten nicht nur pariert, sondern aktiv bekämpft. Wir wollen eine Marktwirtschaft mit demokratische Spielregeln als Fundament für die Zukunft. Das selbstfliegende Auto kann nur dann erforscht werden, wenn Eigentumsrechte garantiert sind und Fortschritt sich auszahlt.

Zweitens: Der Umgang mit Daten wird eine der grossen Herausforderungen der Zukunft sein. The Economist widmete vor kurzem sein Titelblatt dieser Thematik und verglich das 21. Jahrhundert der Daten mit dem 20. Jahrhundert, das Jahrhundert des Öl’s. Worauf ein Professor letzte Woche sagte, dass dieser Vergleich hinkt, da Daten nur mit Energie verarbeitet werden können. Ohnehin finde das Leben immer noch analog statt, oder seit wann könne man Daten essen? Egal, auf welcher Seite man steht: Die grössten Unternehmen wie Google oder Apple sowie IPOs wie das von Snapchat haben nur einen entsprechenden Marktwert, weil sie eine Unmenge von Daten haben. Die Kunden dieser Unternehmen, zu denen ich mich auch zähle, haben aber kaum Einsicht, geschweige denn Mitsprache im Umgang mit den Daten. Braucht es da Anpassungen? Wie kann eine beherrschende Marktstellung vermieden werden?

Drittens: Die Frage ist nicht, ob es selbstfliegende Autos geben wird, sondern wo die Wertschöpfung stattfindet. Wir haben ein erstklassiges duales Bildungssystem, ergänzt mit Hochschulen, die eine Ausstrahlung in die ganze Welt haben. Dennoch wurden die Uber’s und AirBnB’s der Welt weder in der Schweiz gegründet noch bleibt deren Wertschöpfung in der Schweiz. Die Wertschöpfungskette – also von der Primarschule bis zum erfolgreichen IPO – muss zu Ende gedacht werden. Die Basis stimmt dank unserem Bildungssystem. Wir, und da meine ich uns alle, müssen aber mehr Anstrengung vornehmen, dass das nächste Uber und AirBnB in der Schweiz gegründet werden. Dies beginnt bei der Handhabung der Drittstaaten Kontingente für Studienabgänger, geht über eine unkomplizierte Firmengründungspraxis und endet bei der gesellschaftlichen Akzeptanz des Erfolgs und Scheiterns. Die Wirtschaft wird immer globaler – schaffen wir es dennoch, die Wertschöpfung in der Schweiz zu halten? Die Idee des selbstfliegenden Autos soll nämlich in der Schweiz patentiert werden!

Als Jungpolitiker interessiert mich das hier und jetzt, wie beispielsweise unser Einsatz gegen die Altersreform 2020 zeigt. Wir denken aber auch einen Schritt weiter, weg von der Tagesaktualität und fragen uns, welche Antworten wir auf globale Trends haben. Ich freue mich sehr, mit Ihnen diese Herausforderungen zu besprechen.