Liebesbeziehung mit dem Liberalismus

Andri SilberschmidtBlog

Was macht für Sie eine Liebesbeziehung aus? Meist antworten Leute mit Stichworten wie Zuneigung, Vertrauen und Harmonie.

Ich habe eine Liebesbeziehung mit meiner Freundin. Und ich habe eine Liebesbeziehung mit dem Liberalismus. Während ich zu Ihrem Verständnis Ersteres nicht weiter ausführen werde, gehe ich heute auf die Liebesbeziehung mit dem Liberalismus näher ein.

Die Liebe zum Liberalismus ist auf das Teenageralter zurückzuführen. Als ich im Alter von 15 Jahren genug davon hatte, 5 Tage die Woche die Schulbank zu drücken, machte ich mich auf die Suche nach einer Berufslehre. Die Schweizer Berufslehre ist etwas Einzigartiges. Da nehmen tausende von Unternehmen in der Schweiz Verantwortung für die kommende Generation wahr, indem sie Ausbildungsplätze schaffen und Geld in die Ausbildung des Nachwuchs investieren. Obwohl ich dazumal ein fauler Schüler und kein engagierter Jungpolitiker war, bekam ich die Chance der Zürcher Kantonalbank, mich als Lehrling zu beweisen.

Kurz vor Abschluss der Berufslehre habe ich mein politisches Engagement gestartet. In keinem anderen Land auf dieser Welt hat man diese Möglichkeiten der direkt demokratischen Partizipation am gesellschaftlichen Geschehen. Liberale Errungenschaften wie die Meinungsfreiheit, Eigentumsrechte oder Rechtssicherheit geben der Schweiz die nötige politische Stabilität. Spätestens bei der Lektüre des Auslandsteils unser Schweizer Tageszeitungen wird man wieder daran erinnert, dass diese Werte keine Selbstverständlichkeit sind. Denn die Tendenz zur Beschneidung dieser GRundwerte nimmt seit langem wieder zu.

Bleiben wir kurz im Ausland. Das Bildungssystem der Schweiz hat mir erlaubt – obwohl ich das Gymnasium abgebrochen habe – dank der Berufslehre ein Teilzeitstudium an der Fachhochschule Winterthur zu absolvieren. Dabei absolvierte ich ein Semester in London. Dank dem Liberalismus kennen wir den freien Austausch von Waren und die Freizügigkeit von Personen. Das sind Errungenschaften, welche zur Zeit von links- und rechtsaussen unter Beschuss sind und von uns umso stärker verteidigt werden müssen.

Zurück in der Schweiz, machte ich mich auf die Suche nach einer Wohngemeinschaft in der Stadt Zürich. Zusammen mit drei Kollegen war ich dank meines Teilzeit-Pensums in der Lage, eine Wohnung inmitten einer Weltmetropole zu finden. Auch wenn der Zürcher Wohnungsmarkt kein Anschauungsmaterial liberaler Politik bietet, darf dennoch festgehalten werden, dass viele Private ihre Verantwortung wahrnehmen und zu erschwinglichen Preisen Wohnungen zur Verfügung stellen.

Nach einem Jahr in Zürich wohnhaft zu sein, hat mich der Reiz des Unternehmertums erfasst. Nach meinen Ferien in Bangkok, wo ich einen Sushi Burrito gegessen habe, machten ein paar Kollegen und ich uns daran, Sushi Burritos und Poké Bowls in Zürich als Pop Up Geschäft zu verkaufen. Seit gut einem Monat kommen also Zürcherinnen und Zürcher in Genuss dieser gesunden Mahlzeit. Unternehmerisch tätig sein? Das geht nur im Liberalismus.

Wie in einer Liebesbeziehung gibt es auch im Liberalismus Unstimmigkeiten. Manchmal versteht man nicht, wieso hier eben keine Regelung notwendig ist, und manchmal gefällt einem das Resultat nicht, das der Markt hervorbringt. Toleranz ist aber das A und O einer freien Gesellschaft. Denn nur wenn die Gesellschaft frei ist

  • gibt es Unternehmer, die Verantwortung übernehmen und Lehrstellen schaffen
  • haben wir den Austausch mit anderen Ländern, ob wirtschaftlich oder kulturell
  • können wir unternehmerisch tätig sein und somit
  • unser Leben frei bestimmen

Ich wünsche Ihnen am heutigen Symposium viel Inspiration und Lust, für den Liberalismus einzustehen. Wer weiss, ob heute Ihre Liebesbeziehung zum Liberalismus beginnt? Ich bin gespannt.

(es gilt das gesprochene Wort anlässlich des 2. Liberalen Symposiums vom 1. Juli 2017 in Zürich)