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1. August Rede 2021

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident

Geschätzte Damen und Herren

Liebe Schweiz – ich wünsche Dir alles Gute zu Deinem 730igsten Geburtstag. 730 Jahre ist eine lange Zeit, aber niemand würde behaupten, Du seist «in die Jahre» gekommen. Im Gegenteil, es ist wohl wie bei einem guten Wein: Die Qualität nimmt mit dem Alter zu.

Du bietest eine Heimat für 8.6 Millionen Menschen. Kinder, die in der Schweiz aufwachsen, erleben eine erstklassige Grundbildung. Und egal wo sie wohnen – sie sind immer auch nahe an der Natur und lernen so unsere Umwelt durch eigene Erfahrungen kennen. Wenn sie das Teenager-Alter erreichen, haben sie die Wahl zwischen einer Berufslehre oder dem Gymnasium. Egal, welchen Weg sie wählen – sie haben nach einem erfolgreichen Abschluss immer noch alle Möglichkeiten offen. Und Möglichkeiten ist ein gutes Stichwort: Du bietest allen Jungen verschiedene Möglichkeiten, sich zu entwickeln – und damit eine Perspektive für jede und jeden, die eine solche wollen. Mit unseren Hochschulen – ob Universität oder Fachhochschule – und höheren Fachschulen bietest Du eine quasi Jobgarantie, für die, welche sich aus- und stetig weiterbilden.

Du, liebe Schweiz, bist aber nicht nur Katalysator für alle, die jung und jung geblieben sind. Du bietest auch Sicherheit und Freiheit. Sicherheit im Alter, eine Rente zu erhalten und Freiheit, seine eigenen Träume zu realisieren.

Als Schweiz bist Du nicht nur ein Ort, der viele Menschen aus der ganzen Welt anzieht, sondern auch Nährboden für Unternehmen, die hierherziehen oder hier auf die Welt kommen. Nicht selten sind es Unternehmen, welche eine Ausstrahlung in die ganze Welt haben.

Ich gratuliere der Schweiz zu all diesen Errungenschaften. Doch zu einem Geburtstag gehört nicht nur, das Heute zu loben, sondern auch an morgen zu denken – und gute Wünsche zu äussern.

Ich wünsche der Schweiz, dass sie endlich die Sozialwerke für die kommenden Generationen sichern kann. Die ungedeckten Ausgaben in der AHV belaufen sich für die nächsten 25 Jahren auf sage und schreibe 200 Milliarden Schweizerfranken. Das dürfen wir nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen. Auch können wir es uns nicht leisten, dieses Defizit ausschliesslich über höherer Steuern und Abgaben zu decken. Ich wünsche der Schweiz den Mut, den demografischen Wandel ernst zu nehmen und eine Anpassung des Rentenalters nicht mehr als Tabu anzusehen. Die Kinder und Enkelkinder werden uns für immer dankbar sein.

Ich wünsche der Schweiz, dass sie die Rahmenbedingungen so schafft, dass die Arbeitsplätze der Zukunft hier entstehen werden. Es gibt Bedenken, dass die Digitalisierung zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit führen wird. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Dafür braucht es aber die richtigen Beschlüsse:

  • Wir müssen in die Infrastruktur investieren. Es beginnt bei der physischen Infrastruktur wie eines breiten 5G Netzwerks und hört bei der digitalen Infrastruktur wie einer guten Cyber Sicherheit auf.
  • Wir müssen in die Bildung investieren. Dies beginnt bei der Bereitschaft von uns allen, stetig Neues dazuzulernen – auch lebenslanges Lernen genannt – und hört bei genügend privaten Investitionen in Forschung und Entwicklung auf.
  • Und wir müssen in unsere Standortattraktivität investieren. Nur wenn Unternehmen unbürokratisch operieren können, haben sie genügend Ressourcen, um auch in der Schweiz zu investieren. Wir müssen ein verlässlicher Partner sein und Rechtssicherheit vermitteln.

Mit Investitionen dieser Art stellen wir sicher, dass wir in der Schweiz nach wie vor gut bezahlte Arbeitsplätze haben. Wir haben schliesslich auch den Anspruch, im internationalen Vergleich überproportional viel zu verdienen. Dann müssen wir auch bereit sein, überdurchschnittlich gute Rahmenbedingungen zu haben und überdurchschnittlich viel zu leisten. Wenn wir jedoch ins Mittelfeld abdriften, wird es nicht lange dauern, bis sich unsere Löhne und somit unsere Kaufkraft schnell im Mittelfeld wiederfinden werden.

Ich wünsche der Schweiz, dass der Mittelstand gestärkt wird. Dass die Belastung für alle, welche in der Schweiz einer Arbeit nachgehen, nicht immer weiter zunimmt. Wer fleissig arbeitet, soll auch von dem erwirtschafteten Einkommen leben können. Zu einem starken Mittelstand gehören auch starke Unternehmen – von klein bis gross – die Arbeitsplätze schaffen.

Ich wünsche der Schweiz – und uns allen – viele individuelle Freiheiten; dass wir unseren Träumen nachgehen und unsere Fähigkeiten verwirklichen können.

Was haben wir in den letzten 18 Monaten und auch noch heute für Einschränkungen erfahren, die vor der Pandemie für die meisten – mich inklusive – noch unvorstellbar waren. Hätten Sie einmal gedacht, dass der Bundesrat beschliesst, wie viele Personen an ihrem Küchentisch sitzen dürfen?

Der Wert der Freiheit hat spätestens nach diesen Erfahrungen Hochkonjunktur. Damit dies so bleibt, müssen wir unsere Freiheitsrechte stärken. Und ich kann Ihnen versichern, dass die Freiheitsrechte nicht selbstverständlich sind. Wir müssen jeden Tag aufs Neue für sie kämpfen und sie verteidigen.

Liebe Schweiz – wie Du siehst, bist Du auch im hohen Alter bei bester Gesundheit, was wir alle sehr zu schätzen wissen. Wir wünschen, dass Du auch in den nächsten Jahren – trotz vielen Herausforderungen, nicht nur für Dich, sondern auch im Austausch mit Deinen Nachbarn und Bekannten aus weiter Ferne – dass Du uns allen eine so tolle Heimat bietest. Ich kann Dir versprechen, dass ich mich Tag ein, Tag aus für unsere Schweizer Werte einsetzen werde – denn dies sind auch liberale Werte, welche ich sehr zu schätzen weiss.

Sehr geehrte Damen und Herren

In etwa so könnte eine Ansprache lauten, würde die Schweiz ein Geburtstagsfest organisieren. Organisiert haben heute aber andere – ich danke an dieser Stelle allen Personen, welche in der Organisation dieser schönen Feier involviert waren. Ihr Engagement ist exemplarisch für den Zusammenhalt der Schweiz. Die unzähligen Stunden Freiwilligenarbeit, welche geleistet werden. Sei dies in der Feuerwehr – deren Einsatz wir im vergangenen Monat mehr denn je schätzen lernten –, im Juniorentraining, in der Jugi oder sonst wo. Überall nehmen Menschen Verantwortung wahr und setzen sich für die Allgemeinheit ein – dies macht unsere Willensnation aus.

Ich danke an dieser Stelle auch dafür, dass sie den Mut hatten, diese Feier durchzuführen. Viele Gemeinden mussten diese leider absagen. Ich danke, dass Sie mich eingeladen haben, um ein paar Gedanken zur Lage der Nation mit Ihnen zu teilen. Nun wünsche ich Ihnen einen guten Austausch, ein schönes Fest, gute Gesundheit und uns allen, dass wir weiterhin gemeinsam an unserem schönen Land arbeiten.

Besten Dank!

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