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(M)Ein Plädoyer für mehr ehrenamtliches Engagement (WAKE UP, Redetext)

WakeUp – PowerPoint

(Folie 1)

Hallo zusammen! Es freut mich ausserordentlich, vor so vielen jungen und motivierten Persönlichkeiten stehen zu dürfen. Nur bereits durch eure Anwesenheit zeigt ihr Interesse für ein sehr wichtiges Thema in unserer Gesellschaft – das ehrenamtliche Engagement. Ich danke Kay für die Einladung zum Anlass «Wake Up» sowie für die Möglichkeit, euch einige Gedanken auf den Weg mitzugeben. In einer Zeit, in welcher bei jedem kleinstem Problem die Gemeinde und nicht mehr der Kollege oder Nachbar nach einer Lösung gefragt wird, in welcher immer mehr Verantwortung an den Kanton und den Bund delegiert wird, in einer Zeit, in welcher wir immer mehr in der Anonymität abtauchen und uns über unsere Verantwortung weniger denn je bewusst sind – genau dann ist es notwendig, sich kritische Gedanken über die Zukunft unserer Gesellschaft zu machen. Wir werden diese Zukunft sein und früher oder später realisieren, wie wichtig es ist, dass wir uns heute, und nicht erst morgen, engagieren. In diesem Sinne: Wake Up!

(Folie 2)

Kay hat bereits einige Worte über mich verloren, weshalb ich mich kurzhalte. Mein Name ist, wie ihr mitbekommen habt, Andri Silberschmidt. Ich bin 20 jährig und wohne im Zürcher Oberland. Neben meiner Arbeit und dem Studium bin ich vor allem politisch tätig; als Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Zürich. Die Jungfreisinnigen zählen im Kanton Zürich 400 Mitglieder und sind in jedem Bezirk engagiert und teils in Behörden vertreten. Die Begegnungen mit unseren Mitgliedern und Sympathisanten überzeugen mich tagtäglich, wieso es sich lohnt, sich ehrenamtlich zu engagieren. Dazu aber später mehr.

Eigentlich ist es atypisch für mich, für kein Geld zu arbeiten. In meiner Kindheit fragte ich jeweils vorwurfsvoll meinen Vater, wieso er denn so viel ehrenamtlich leistet, da verdiene man doch gar nichts damit? Nun bin ich gleich weit wie er. Ein Beispiel, das ihr auf dem Bild sehen könnt, ist ein Projekt des internationalen Tischtennisverbands, für welchen mein Vater in Entwicklungsländern Trainerausbildungen organisiert und durchführt. Auch ich durfte einmal teilnehmen und als ehemaliger Leistungssportler den Kindern viel beibringen, was mich enorm fasziniert hat. Menschen mit dem eigenen Wissen und Können zu helfen und selbst mindestens im selben Ausmass dazuzulernen ist unbezahlbar. Nun mehr zu meiner politischen Arbeit.

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In meinem 2. Lehrjahr gab es die Möglichkeit, an einem internen Casting der Zürcher Kantonalbank teilzunehmen, dessen Gewinner zusammen mit einer Maturandin der Kantonsschule Stadelhofen Vorredner der offiziellen 1. August Feier sein durfte. So stand ich im August 2011 plötzlich vor 3’000 interessierten Bürgern und durfte meine Zukunftsvision der Schweiz präsentieren. Irgendwie komisch, als 17 jähriger zu glauben, man wisse, was die richtigen politischen Entscheidungen für eine rosige Zukunft wären. Umso überraschter war ich, als ich in Vorbereitung auf den heutigen Anlass meine damalige Rede nochmals durchgelesen habe. Hier ein Ausschnitt aus der erwähnten Rede, die ich genau gleich noch heute halten könnte:

«Können Sie mir einen Beruf auf dem Bau sagen, in welchem keine Ausländer arbeiten? Oder eine international tätige Firma, in der niemand aus der Chefetage aus dem Ausland kommt? Ich denke nicht. Ohne die Ausländer funktioniert die Wirtschaft nicht so wie sie das heute tut. Wir wissen alle, dass es nicht möglich ist, nur die besten auszusuchen, und uns vom Rest abzuschotten. Die Zuwanderung ist gewisser Massen ein Wachstumsmotor. Der Konsum wird angeregt und Siedlungen werden gebaut. Die Zuwanderung ist deshalb für uns Jungen nicht nur Problem, sondern vor allem auch Chance.

Wir sollten stolz darauf sein, offen gegenüber Aussen aufzutreten und immer noch eine wichtige Wirtschaft weltweit zu sein.»

Obwohl heute ich nicht zu politisch in meiner Rede werden will, erlaube ich mir an dieser Stelle einen Werbespruch, welcher zum vorherigen Text perfekt passt: Bitte, geschätzte Damen und Herren, geht Ende November an die Urne und lehnt die ECOPOP Initiative ab. Sie verbaut uns Jungen die Zukunft und wirft die Schweiz langfristig ins Mittelfeld zurück.

Und jetzt wieder zurück zum eigentlichen Thema: Die Rede hat mich dazu motiviert, mich aktiv mit dem aktuellen Geschehen auseinanderzusetzen. Ich habe mir anschliessend online die verschiedenen Jungparteien und deren Profile angeschaut und mich schlussendlich für den Jungfreisinn entschieden. Dann ging es schnell: Nachdem ich vor drei Jahren, also Ende 2011, dem Jungfreisinn beigetreten bin, habe ich im Frühling 2012 die Jungfreisinnigen Bezirk Hinwil gegründet und ein Jahr später, also im Frühling 2013, die Leitung der Jungfreisinngen Kanton Zürich übernommen. Der Respekt vor einer solchen Aufgabe war enorm. Plötzlich steht man regelmässig mit Medien sowie internen und externen Ansprechpartnern in Kontakt, obwohl man noch zu den jüngeren in der Partei zählt. Als Höhepunkt meiner bisherigen «politischen Karriere» zähle ich die Abstimmung über die Kirchensteuerinitiative in diesem Jahr, welche von uns initiiert wurde, leider im Volk aber keine Mehrheit fand. Wir planen jedoch bereits für das nächsten Jahr eine neue kantonale Initiative zu lancieren – Sie sehen, wenn man will, kann man viel verändern!

(Folie 4)

Doch, für was für eine Gesellschaft und Wirtschaft stehe ich und der Jungfreisinn ein? Als Präsident will ich, so einfach es sich anhört, mehr Freiheit und weniger Staat. Ich stehe ein für eine liberale Gesellschaft sowie auch eine liberale Wirtschaft. Zusammengefasst für mehr Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Ich wünsche mir ein Chancenland, wie es Kollegen der neuen Bewegung «Operation Libero» formuliert haben. Ein Chancenland, in welchem wir alle unsere Qualitäten entfalten können. Jedoch soll man auch die Verantwortung für sein Handeln tragen. Das Risiko, etwas zu wagen, soll Hand in Hand mit der Verantwortung über Erfolg oder Misserfolg gehen.

Es darf nicht sein, dass wir:

  • Bevormundet werden und keine Risiken mehr eingehen können. Immer mehr Politiker meinen zu wissen, was gut für uns ist und was nicht. Wieso überlassen wir diese Entscheidungen nicht allen selber, so lange sie mit ihrem Handeln nicht negativ Dritte beeinflussen?

Es darf nicht sein, dass wir:

  • Für unsere Erfolge bestraft werden. Die immer stärker werdende Neidkultur ist gefährlich. Wir sollen wieder stolz auf Erfolge sein und es anderen gönnen, wenn sie mehr erreicht haben als der Durchschnitt. Überdurchschnittliche Leistungen sollen sich lohnen.

Es darf nicht sein, dass wir:

  • Ständig für die Misserfolge anderer haften müssen. Wenn Leute Risiko eingehen und scheitern, sollen sie die Verantwortung dafür tragen. In der Schweiz haben wir ein funktionierendes Sozialnetz, welches einem auffängt, falls man hinfällt. Jedoch ist es falsch, wenn Misserfolg nicht spürbar sind – sonst lernen wir nichts daraus und begehen denselben Fehler ein zweites Mal.

Wir sind auf dem Weg zu einem Nanny State, der sich angeblich um uns kümmert und sich die BürgerInnen immer weniger Gedanken machen, was ihr Handeln für einen Einfluss auf andere haben kann. Mehr Eigenverantwortung bedeutet mehr Selbstbestimmung und damit mehr Respekt zueinander.

Diese Werte vertrete ich an Schulpodien, über die sozialen Medien, an Parteiveranstaltungen, auf der Strasse, und und und. Ich bin beeindruckt, wie junge Leute die liberalen Ansichten wieder zu schätzen wissen. Dies stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft.

(Folie 5)

Wieso, fragen sich bestimmt einige, nimmt er sich einen solchen Stress auf sich? Sie können mir glauben: viel mehr als einen feuchten Händedruck bekommt man für die politische Arbeit nicht. Man ist schon froh, wenn die eigene Arbeit verdankt wird, was leider auch nicht mehr selbstverständlich ist. Mich treiben aber andere Dinge an:

Ich will Jugendliche animieren und begeistern. Begeistern von der Idee der Freiheit und nicht in einer zu Tode regulierten Schweiz zu leben, in welcher uns der Staat alles diktiert. Animieren dazu, sich alternative Gedanken zu machen, welche nicht immer dem Mainstream entsprechen. Hinterfragt alles, was für euch unlogisch erscheint oder keinen Sinn macht! Unsere Gesellschaft lebt von lebendigen und offenen Diskussionen, in welcher die besten Argumente gewinnen sollen. Wake Up und beteiligt euch aktiv an diesen Diskussionen!

Mich treibt es zudem an, etwas zu bewegen, wie beispielsweise mit der Kirchensteuerinitiative oder hier auf dem Bild, vor einigen Wochen, beim Einreichen der eidgenössischen Volksinitiative zum Schutz der Privatsphäre. Die direkte Demokratie bietet den Schweizer Bürgerinnen und Bürger, insbesondere auch der jüngeren Generation, nicht nur die Möglichkeit mitzubestimmen, sondern auch selber gegen Missstände oder für Zukunftsvisionen aktiv zu werden. Mit Petitionen, Referenden und Volksinitiativen haben wir ein weltweit einmaliges System, welches es zu nutzen gilt.

Ich hoffe, dass meine Motivation auch auf andere überschwappt, die selber Projekte in die Hand nehmen wollen. Dazu ein banales Beispiel:

Einige gleichaltrige wollen in der Badi Gossau ein Beachvolleyballfeld haben und sind deshalb auf mich zugekommen, ob ich bei der Gemeinde nachfragen kann, dass die aktiv werden. Ich habe ihnen geantwortet, dass es doch viel schöner sei, wenn wir durch Eigenleistung sowie Unterstützung vom lokalen Gewerbe eine solche Idee realisieren können. Heute sieht es so aus, als ob dies möglich wäre – ohne Einsatz von Steuergeldern, und nur mit ehrenamtlicher Arbeit. Packt an!

Ich glaube nämlich nicht an die apolitische Jugend – beweist es mir und zeigt in der Zukunft, dass auch wir etwas draufhaben und uns engagieren – Wake Up!

(Folie 6)

Doch, wieso überhaupt engagieren? Zur Veranschaulichung zeige ich euch zwei Bilder, welche zwei Dinge gemeinsam und einen Unterschied haben. Das Gemeinsame ist das Alter der Menschen auf den beiden Bildern sowie das Jahr der Aufnahme (2014), der Unterschied: In einem Land gibt es die direkte Demokratie, in dem anderen nicht.

Ich hoffe, euch mit diesem Bild anzuregen, euch mehr Gedanken über die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft zu machen. Es ist kein Aufruf zum Boykott des Zürcher Nachtlebens, welches ich auch regelmässig besuche, nein. Ich pflege zu sagen: Jede und jeder soll machen, was ihm Spass macht, was ihn weiter bringt, jedoch unter Berücksichtigung der Konsequenzen, welche das eigene Handeln mit sich bringen. Salopp gesagt: Wenn ihr lieber Party macht, raucht und kifft, dann macht das. Seid euch aber bitte über die Konsequenzen bewusst von eurem Verhalten. Und denkt über das Privileg der direkten Demokratie nach, über unser Staatsverständnis, welches uns erlaubt, Projekte grosszuziehen. Meine Erfahrung zeigt, dass diese bestimmt auf Anklang stossen und auch unterstützt werden. Glaubt mir: Schlussendlich bereiten einem selber solche Erlebnisse viel mehr Freude als ein Abend im Kaufleuten.

(Folie 7)

Wieso konkret engagiere ich mich dann so intensiv? Auch dazu zwei Bilder zur Veranschaulichung: Links sehen Sie die Demographie in der Schweiz im Jahr 1900 verglichen mit dem Jahr 2004. Rechts der Achse sind Frauen, links Männer. Gut erkennbar ist dabei, dass es einen grossen Ausschweifer bei den 40 bis 60 jährigen gibt. Diese BürgerInnen werden in den nächsten Jahren in die Pension gehen und staatliche Rente beanspruchen. Regelmässig hören wir bereits heute, dass die AHV (wieder) reformiert werden muss, da es zu wenig Beitragszahler gibt. Diese Situation wird sich massiv verschärfen und beunruhigt mich. Manche werden sagen, ich sei ein Pessimist, aber ich sage bereits heute meiner Generation: Verlasst euch nicht auf den Staat, wenn es um eure Rente geht. Legt genug viel Geld auf die Seite, seid sparsam und beteiligt euch an Diskussionen über die Reform von der staatlichen Altersversicherung. Die Zukunft von morgen braucht unsere Stimme in dieser so wichtigen Diskussion. Wir bezahlen die Zeche der Politik von heute. Werden wir aufmüpfig und hinterfragen mehr die politischen Entscheidungen!

Als zweite Bedrohung, die rechte Grafik, sehe ich das ungebremste Ausgabenwachstum der öffentlichen Verwaltung. Im nächsten Jahr werden es 211 Milliarden, ich wiederhole, 211 Milliarden CHF sein, welche durch den Staat ausgegeben werden. Jeder Franken, welchen der Staat ausgibt, muss zuerst erwirtschaftet werden und fehlt im Portemonnaie von den BürgerInnen und UnternehmerInnen. Stoppen wir zusammen diesen besorgniserregenden Trend und sorgen wir dafür, dass auch unsere Generation wieder in mehr Freiheit leben darf. Jede und jeder soll die Früchte ihrer Arbeit ernten dürfen.

(Folie 8)

Jugendproteste in verschiedenen Ländern, ein überschuldetes und fehlgeplantes staatliches Altervorsorgesystem sowie ein ungebremstes Staatswachstum. Wake Up, meine geschätzten Zuhörerinnen und Zuhörer. Engagiert euch, dass auch unsere Zukunft rosig wird und wir nicht die Scherben der heutigen Politik auflesen müssen.

(Folie 9)

Zum Schluss zitiere ich Willy Brandt, ein verstorbener Deutscher Sozialdemokrat:

Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten

Engagiert euch, sonst wird über euch bestimmt. Gestaltet die Zukunft der Schweiz aktiv mit, ob in einer Jugendpartei, in einem Verein oder mit eigenen Projekten. Seid euch über eure Verantwortung bewusst, nutzt diese und sorgt dafür, dass die Schweiz auch in ein paar Jahrzenten noch lebenswert ist. Ich danke euch.


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