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Eine Lanze für den Finanzplatz brechen

Jeder Bankmitarbeiter kennt den Moment, wenn er nach seinem «Outing» kritische Blicke auf sich zieht. Dabei ist der teils schlechte Ruf der Branche nicht differenziert. Denn ohne einen funktionierenden Finanzplatz fehlt der Wirtschaft der Nährboden für ein nachhaltiges Wachstum.

Mit diesen einleitenden Worten will ich keine Bemitleidung meines Berufsstandes erwirken. Es ist schliesslich nicht der einzige Beruf, welcher mit Vorurteilen leben muss. Der Finanzplatz, insbesondere in der Schweiz, ist enorm wichtig und besitzt viel Potenzial. Dazu einige Zahlen:

  • 15 % der Schweizer Wertschöpfung (BIP) hängen mit dem Finanzplatz zusammen[1]
  • Der Finanzsektor beschäftigt knapp 500‘000 Menschen, davon über 3‘500 Lernende1
  • In der Schweiz werden 6‘656 Milliarden CHF Vermögen verwaltet, wobei die Hälfte aus dem Ausland stammt

Diese eindrücklichen Zahlen werden jedoch von einem besorgniserregenden Trend überschattet:

  • In den letzten 5 Jahren ging die Anzahl Banken in der Schweiz um 15 % von 321 (2010) auf 276 (2014) zurück.[2] Ob es sich um eine Marktkonsolidierung handelt oder vor allem die zunehmenden Regulierungen schuld daran sind, ist schwierig zu beurteilen. Eins ist jedoch sicher: der Wettbewerb innerhalb der Branche nimmt ab. Davon profitieren nur die grösseren Institute, denn der Bankkunde wird am Ende des Tages weniger Auswahl haben.

Die Finanzbranche wird oft mit der Finanzkrise in Zusammenhang gebracht, welche in den USA ihre Herkunft hat. Der genaue Ursprung der Krise soll hier nicht weiter diskutiert werden. Infrage kommen der von links verrufene «Raubtierkapitalismus» wie auch die Notenbankpolitik der FED in Zusammenhang mit einschneidenden Regulierungen (Stichwort: Freddie Mac, Fannie Mae). Was aus heutiger Sicht gesagt werden kann, ist, dass es massive Verfehlungen gab, welche hunderttausende Menschen direkt und Millionen Menschen indirekt bis heute beschäftigen (das Platzen der (Staats-)Schuldenblase in Europa, das Anwerfen der Notenpresse etc.). Schaut man sich die Entwicklung der Finanzmarktregulierung[3] seit Beginn des 20. Jahrhunderts an, wird vor allem etwas klar: Die Regulatoren haben versagt. Wer nun denkt, mit neuen Gesetzen das System stabiler zu machen, täuscht sich. Durch die extrem expansive Geldpolitik der USA, der EZB und der japanischen Zentralbank, verbunden mit der Rettung von schlecht wirtschaftenden Banken, wurde bisher kein Problem gelöst, sondern die bestehenden Probleme auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine dringend notwendige Marktkorrektur wird unterbunden. Wo hin uns die Ausweitung der Notenbankgeldmenge führt, kann uns heute niemand sagen. Es wird einem jedoch sehr mulmig, wenn man bedenkt, dass einige wenige Leute aus ihrem Büro aus wissen sollten, wie hoch die optimale Geldmenge ist und welche Effekte deren Ausweitung mit sich bringt. Bisher konnten vor allem Investoren und Spekulanten direkt von der Vermögensinflation profitieren. Ausser einer Preisinflation der täglichen Gebrauchsgüter hat «der einfache Bürger» noch nicht viel von der Geldpolitik gespürt.

Mit diesem kurzen Exkurs in die Geldpolitik will ich aufzeigen, dass in der Bankenwelt nicht alles schwarz-weiss ist. Die Zeiten, die in Filmen wie «Wall Street» gezeigt werden, sind vorbei oder haben gar nicht erst begonnen. Vor allem die Mitarbeiter des Schweizer Finanzplatzes erlebe ich als zielstrebige, fleissige und verantwortungsbewusste Personen. Sie erfüllen tagtäglch eine wichtige Funktion in der und für die Wirtschaft. Wie viel Mal pro Tag benutzen Sie ihre Bankkarte? Wohnen Sie in einem Eigenheim und besitzen eine Hypothek oder zahlen Sie ihre Miete mit einem Dauerauftrag? Bei fast jeder Tätigkeit kommt man in Kontakt mit Geld, und dahinter stecken Menschen und Maschinen, die uns den täglichen Umgang mit Geld leichter machen.

Die meisten von ihnen leben bescheiden, erhalten keinen überdurchschnittlich hohen Lohn und setzen sich für die Zufriedenheit ihrer Kundschaft ein. Durch zusätzliche Regulierungen (Stichwort: Mifid, Fatca, Fidleg, FinfraG, …) können grosse Unternehmen ihre Marktstellung ausbauen, da die kleinen Banken sich den Regulierungsaufwand nicht leisten können. Anstelle in Richtung eines echten Wettbewerbs zu gehen, werden so die Grossen weiterhin staatlich geschützt. Der einfache Bankmitarbeiter wird aufgrund der neuen Gesetzgebung zum verlängerten Arm der Steuerbehörde und ist neu mehr Polizist als Berater. Diese Entwicklung ist für den gesamten Finanzplatz ungesund und muss gebremst werden. Andere Länder wie Grossbritannien oder Singapur haben das Potenzial eines potenten Finanzplatzes längst erkannt und erfolgreich auf diese Karte gesetzt. Es lässt sich nur hoffen, dass wir den Fintech-Hype nicht verpassen und für neue Unternehmen die richtigen Voraussetzungen schaffen, damit diese unbürokratisch wachsen können und einer erfolgreichen Zukunft entgegensehen.

[1] http://www.swissbanking.org/home/finanzplatz-link/facts_figures.htm

[2] http://www.snb.ch/de/iabout/stat/statpub/bchpub/stats/bankench/bankench_bGStellen_D48

[3] http://www.nber.org/papers/w17443


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