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1. August Ansprache in Erlenbach (ZH)

Anrede + spontane Einleitung

Hüt fiired mir de Geburtstag vode Schwiiz und blicked uf di spannendi Gschicht vo dem ussergwöhnliche Land zrug. Im Jahr Zwölfhundert 91 sind die 3 Eidgenosse Werner Stauffacher vo Schwyz, Walter Fürst vo Uri und Arnold vo Melchtal us Unterwalden uf de Rütliwiese zämecho und händ oisi Eidgenosseschaft gründet.

So isch de 1. August zum Nationalfiirtig worde und git ois jedes Jahr d‘Glegeheit, uf oisi gschichtsträchtigi Vergangeheit zrug z‘luege und ois Gedanke drüber z‘mache, wie mir d‘Zuekunft vo oisem Land wennd gstalte. De 1. August wird sit jeher als Nationalfiirtig gfiired. Was aber vieli i mim Alter nöd wüssed, isch, dass de erst August erst sit em Jahr 1994 gsamtschwiizerisch als arbetsfreie Tag gilt.

1994 isch es guets Stichwort. Denn bin nämlich ich ufd Welt cho. Ich bin ja no jung.

Mängs vo Ihne würed sogar säge, no sehr jung. Ich wirde ihne drum hüt nöd chönne useme persönliche Erfahrigsschatz chönne brichte, wo Jahrzehnte vode Schwiizer Gschicht umfasst. Die Erfahrig han ich nöd. Was ich aber han, isch en grosse Erfahrigsschatz mit erst August Redene. Die sind überhaupt de Grund, wieso ich hüt Politiker bin und wohl au zu Ihne rede därf. Vor siebä Jahr, am erste August 2011, han ich nämmlich als zweit Lehrjahrstift vode Zürcher Kantonalbank d Vorred vode erst Augsut Fiir ufem Bürkliplatz in Züri därfe halte. Das isch ziitglich au de Höhepunkt vo minere politische Laufbahn gsi, händ mir dazumal nöd weniger als drü Tusig Lüüt zueglosed. 

Bi mine erste paar erst August Redene hanich mich jewiels inspirere lah indem ich glueged han, was sich dänn anderi Lüüt für Gedanke gmacht händ, wänn sie so e Red ghalte hend. Es isch mir ufgfalle, dass nöd wenigi en Abriss vode Schwiizer Gschicht vortreit händ. Hüt Abig isches Ihres Glück oder je nach Blickwinkel au Pech, dass ich weder Historiker bin, no i dä Schuel im Fach Gschicht brilliert han. 

Und so bin ich zum Schluss cho, dass ich hüt Abig nöd d Gschicht vode Eidgenosseschaft mit Ihne abhandle wird. Ich erlaube mir, d Red am Nationalfiirtig z nutze, um vor allem id Zuekunft z luege und einigi Gedanke dadezue mit Ihne allne zteile.

Für die Red hanich denkt, ich versuech mal öpis neus us. Ich findä generell, dass mir eus fast zu oft um ähnlich gsinnti Mensche umgebed und zwenig dünd experimentiere. Und so han ich idä soziale Medie is blaue use gfröged, wie sich dänn mini Altersgnossinne und Altersgnosse d Schwiiz im Jahr 2050 vorstelled. Und ich han au dasmal wieder gmerkt wies jedes Mal e beriecherig isch, usde eigene gedankliche vier Wänd uszbräche und so anderi Meinige chöne ufzneh.

Wo ich mir also, inspiriert dur die Rückmeldige, Gedanke gmacht han, wie d Schwiiz im Jahr 2050 chönti usgseh, bin ich uf drü Element cho, wo’s au bi jedem Bau vomene Huus brucht: Es Grundstück, festi vier Wänd und es Dach überem Chopf. Usde gedankliche Wänd sind also bald vier festi Wänd worde. Doch fangemer vorne ah, bim Grundstück.

Als Grundstück vonere prosperierende Schwiiz im Jahr 2050 gsehn ich de gegesiitig Respekt, de Friede und d Demokratie. Zum gegesiitige Respekt: verschiedeni Ereignis ide letschte paar Wuchä händ bekanntlich tagelangi Diskussione provoziert. Agfange häts mit de Gschicht um de Doppeladler vo eusne Nati-Fuessballspieler. Und wiitergange isches mit de Gschicht um es vermeintlichs Verbot vo Cervalats anere Schuel, wo en Nationalrat vode Partei rächts vode FDP versuecht het, das für sini Gunst z nutze.

Es isch ja nöd eso, dass ichs für e bsunders intelligenti Idee gfunde han, dasmer bim Juble de Doppeladler macht. Oder dass ich en Fründ vo Ischränkige bim Esse wäre. Aber simmer mal ehrlich: händ dänn mir selber so wenig Selbstbewusstsih, dass eus söttig Gegäbeheite grad dermasse dünd verunsichere und Alass für Grundsatzdiskussione sölled geh? Oder fehlt au es bitz de Respekt gegenüber andersch denkende und lebende Mitmensche, wo halt nöd sit 10 Generatione Schwiizer sind?

De gägäsiitig Respekt isch d Grundlag für es friedlichs mitenand, wo mer toleriert, dass alli Mensche verschiede sind und die Usprägige sie ebe au i ihrerere Art und Wiis einzigartig macht. Friede und Respekt sind somit au Fundament für eusi Demokratie. Die direkt Demokratie isch ebe au nur so guet, wie mir au die andere Stimmbürgerinnen und Stimmbürger und ihres Eigetum dünd respektiere. S Volk söll Leitplanke vom Zämmeläbe definiere und wichtigi Zuekunftsentscheid träffe, aber nöd de Ahspruch ha, allmächtig chöne z’sih. Au wenn en Teil vo eus sicher scho mal mit Kollege bim Bier über s Ergriefe vode Wältherrschaft philosophiert händ… 

Das Selbstverständnis vo demokratische Entscheidigsprozess het eus sowiet bracht, dass mir bis hüt hunderti vo bilaterale Verträg händ – mehrheitlich mit de EU, aber immer meh au ufde ganze Wält verteilt. All die Verträg gäbed eus Freiheite – seg das im Handel mit Güeter, de Freizügigkeit vo Persone oder im kulturelle und wüsseschaftliche Ustusch. Und all die Verträg händ mir bis hüt selbstbestimmt chönne igah – d Schwiiz hät vor jedem Entscheid chönne d Vor- und Nachteil entsprechend abwäge.

Hüt sind mir e offeni Nation wo en selbstbewusste Wäg gaht. Mir händs eso gschafft, die grösst mögliche Freiheite ufem europäische Kontinent chönne schaffe, und dadebi wiiterhin euses Selbstverständis vode direkte Demokratie und Souveränität z pflege. Das isch mis Verständnis vo selbstbestimmig und Freiheit.

Und genau drum isch es so wichtig, dass mir zu allne Isolations-Bestrebige wo die Schwiiz stattfinded, entschiede dünd Nei säge. Will mir wänd, dass d Schwiiz au in Zuekunft all die Freiheite hät, dass mir au in Zuekunft Top Universitäte im Land händ und d Jugend vom Ustusch mit em Unbekannte, mitem Fremde, chan profitiere. Mir wännd eus alli Türe offe lah für’d Zuekunft und die nöd eifach vorsorglich mal alles verbarrikadiere.

Hät mer sich mal für de Erwerb vo Bode entschiede, folgt als zweite Schritt d Planig vom Huus, insbesondere vode sogenannte eigene vier Wänd.

Ich bin de überzügig, dass euse Umgang mit dä digitale Transformation match-entscheidend wird sih ob d Schwiiz im Jahr 2050 uf solide vier Wänd staht oder nöd. Mir alli sind Teil vo dere Transformation – au d Politik.

Als Mensch händ mir primär viel erliechterige, wo eus die digital Entwicklig bringt: mer chan schneller mit de Verwandschaft ufde ganz Welt Kontakt ufneh, chan de Ichauf im Internet erledige oder weiss jederziit, was de amerikanisch Präsidänt am machen isch – wobie mer ab und zue froh wär, mer wüssti das nöd. 

Doch d’Arbet, wo mer hüt anhand vonere eifach Aleitig chan erledige, isch wohl scho bald automatisiert. Und was hilft degägä? Lamentiere sicher nöd. Im Gegeteil: d’Us- und Wiiterbildig wird immer wichtiger. Mir chönd stolz sih, dass s duale Bildigssystem die Junge so guet ufd Herusforderige vom Läbe duet vorbereite. Doch wenn mer s mitem läbänslange Lerne würkli ernst meined, mümmer vermehrt au drüber rede, wie dänn d Wiiterbildig nach 30i söll usgseh. Sälber absolvier ich min Master anere Universtität in London, ohni je eimal müsse uf London z’gah, sondern 100 Prozänt digital us Züri us. Ich denke, dass mit so Modell au d Erwachsenebildig immer meh a Bedütig wird günne, so dass mer unabhängig vo Ort und Ziit isch chan uf die digital Transormation vorbereite. S lebenslange Lerne isch eini vo vier Wänd, wo euses Huus stabil macht.

Die nöchschti Huuswand handelt vom Umgang vom Bürger mit de Verwaltig. Isches Ihne au scho passiert, dass Sie wäg öpis chlienem e Bewilligung vo de Gmeind brucht händ und für das ufd Homepage gange sind, es PDF online usgfüllt händ, aber dänn händ müsse usdrucke, unterschriebe und ufd Post bringe? Das isch hützutags eher d Regle als d Usnahm. Die Prozess mached niemert glücklich, weder d Nutzer vo dene Formular no die, wos münd verarbeite. Ich bin froh, dass langsam en Ruck dur d Regierig gaht, dass die zweiti Wand a eusem Huus, e digitali Verwaltig, Form ahnimmt.

Die dritt Huuswand isch no e Baustell im Parlament. Es fehlt nämmlich no a guete Rahmenbedingunge für die digital Wirtschaft, so dass de Wohlstand au ide Schwiiz chan stattfinde.

Es git immer meh Gschäfter, wo ide Schwiiz viel Gäld durs Internet verdiened, ihri Sitz aber irgendwo ufde Wält verteilt händ, und somit nöd die gliche Verpflichtige händ wie s Gwerb vor Ort, wo Mehrwertstür und Sozialversicherigsbiträg zahled. Anstatt söttig Unternehme usem Markt usschlüsse, was d Konsumfreiheit vo eus allne ischränkt, söll sich d Politik Gedanke mache, wie mer chönd sicherstelle, dass settig Unternehme primär i de Schwiiz gründet werded und dänn au ide Schwiiz Verantwortig übernehmet. Nur wänn mir da e aktivi, innovative Rolle wahrnehmed, chömmer au e starchi Wand baue, wo ide kommende Jahre verhebe duet.

Die vierti und letschti Wand, wo euses Dach söll träge, isch d Istellig vo eus allne persönlich zum schnelle Wandel ide Gsellschaft. Die vor mir agschnittene Themebereich verlanged vo eus allne, das mir bereit sind, eus vo alte Zöpf z trenne und Veränderige als Chance z’gseh. Ich muen mich selber amigs dezue zwinge, Idee eifach usprobiere und umzsetze, als so lang Konzept schriebe, bis de Zug abgfahre isch. Ich bin sogar de überzügig, dass mir alli eus sölled vorneh, jede Tag öpis neus usprobiere – au wenns nur isch, eimal mitem linke als mitem rechte Fuess aufzstah. 

Lebenslangs lerne, e digitali Verwaltig, e gschiedi und innovativi Politik und die persönlich Bereitschaft, Veränderige positiv ufzneh, bildet d Wänd für es stabils Huus Schwiiz, wo im Jahr 2050 eus allne e Heimat git. Doch, was bringt eim vier Wänd ohni emene Dach überem Chopf. Nebed de vier starche Wänd bruchts gsundi Sozialversicherige, wo s Huus zämmehaltet.

Eus wird ide nöchste Ziit d Finanzierig vode Altersvorsorg und de Pfläg no sehr starch beschäftige. Es isch wohl ihne allne wie au mir bewusst, dases e Herusforderig für die staatliche Sozialwerch isch, wänn nümme 4 Arbetstätigi uf 1 Rentner schaffed, sondern nur no 2 Arbetstätigi uf 1 Rentner. Und trotzdem händs mir ide letschte Jahr nöd gschafft, strukturelli Reformene ade Sozialwerch vorzneh. Die letscht Reform isch vo eus bekämpft worde, will sie ebe nöd uf die strukturelle Herusforderige igange isch. Und etz wird nomal e Reform vorgschlage, wo usser viel höchere Stüüre nüt bringt. Es muen eus glinge, ide kommende Jahr die starr Situation im Reformprozäss chönne z durchbreche, bevor de AHV s Geld usgaht und d Pensionskassene no meh Geld vo arbetstätige Persone ufd Rentner muen umverteile.

Ja, grad mini Generation chan sich glücklich schätze, imene Land derfä ufzwachse, wo dank em Isatz und Wille vo eusne Eltere und Grosseltere so erfolgrich isch wie mer das hüt sind. D Kehrsiite vodere Medallie isch aber, dass mir das, was mer hüt händ, amigs fast als Gott-gegäbä ahgsehnd und i vielne Diskussione nurno drüber reded, wie mer de bestehend Wohlstand chönd anderst umverteile, als dass mer sich Gedanke macht, wie mer au in Zuekunft no chönd Wohlstand erarbeite. Es isch e Frag vode Istellig, vom Mindset, wie mir d Schwiiz vode Zuekunft wännd gstalte. So häts mich au umso meh gfreut, wo mini Kolleginne und Kollege ide soziale Medie uf min Ufruef aktiv teilgnoh hend ade Diskussion um ihri persönlich Vision vode Schwiiz im Jahr 2050. Es isch nämmli nöd so wie mer oft vode hütige Junge behauptet, dass alli nur uf de fuule Huut dünd umeligge.

Ich verspriche ihne, dass ich alles dra setze duen, dass mir ide Politik, seg das im Zürcher Gmeindrat oder in Bundesbern, au meh de Mindset händ, dass mer eus primär drüber Gedanke mached, wie mer de Mänschä chönd d Freiheite geh, dass sie sich entfalte chönd und so ihre Biitrag idä Gsellschaft chönd leiste. So dass mir alli au mal d Chance händ, de Traum vomene eigete Huus mit de eigete vier Wänd chönne z realisiere.

Irgendwie isches ja typisch Schwiizer, dass ich während em Grossteil vo minere Red übers Schaffe gredet han. Mir sind alli immer sehr pflichtbewusst und werded für das au ufde ganze Wält gschätzt. Umso wichtiger isches aber au, dass mir vom Alltag mal loslönd und s Läbä eifach gnüsse dünd. De erste August git eim sehr guet Glägeheit dadefür. Ich wünsche Ihne allne es schöns Fäscht!


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