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Capital for Purpose

Das diesjährige Thema vom St. Gallen Symposium ist „Capital for Purpose“. In diesem Blogbeitrag teile ich einige Gedanken dazu und spreche darüber, weshalb dieses Thema für mich persönlich relevant ist.

Kapital ist zugänglicher.

Spricht man von Kapital, wird schnell (moralisierend) von global tätigen Unternehmen gesprochen, die Unternehmertum als Selbstzweck anstatt als sinnstiftendes Unterfangen sehen. Es kommt einem Thomas Piketty mit seinem Buch „Das Kapital“ in den Sinn. Dabei wird verkannt, dass die Aufnahme und Kumulation von Kapital noch nie so zugänglich war wie heute: das Internet ermöglicht Bevölkerungsschichten, ihre Ideen zu kolportieren und an Kapital zu kommen, die vor einigen Jahren noch armutsgefährdet waren. Wer man ist, verliert immer mehr an Bedeutung zu Gunsten der Idee, die man hat. Das ist gut so.

Kapital verpflichtet.

Der erleichterte Zugang zu Kapital und der gesellschaftliche Trend zu mehr Transparenz erhöht die Verpflichtung, welche mit dem Einsatz von Kapital einhergeht. «Tue Gutes und rede darüber», sagte im Jahr 1961 Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim. Dieses einst umstrittene Zitat gehört heute zu einer Selbstverständlichkeit: wer sich mit Kapital engagiert – sei dies als öffentliche Hand, als private Unternehmung oder als gemeinnützige Organisation – ist heute zur Rechenschaft verpflichtet.

Kapital ist vielfältig.

Die Rechenschaftspflicht gründet in der Tatsache, dass Kapital als «enabler» für verschiedene Zwecke dienen kann. Ohne Kapital werden gute Ideen nicht zukunftsfähig. Und gute Ideen bedingen ein gutes Humankapital. Wurde Kapital früher vor allem mit einer Geldleistung verbunden, wird der Begriff heute in vielfältiger Hinsicht verwendet. Heute kann zum Beispiel eine Immobilienfirma ein Start-Up unterstützen, indem es leere Büroflächen zur Verfügung stellt, dafür aber an der Entwicklung des Unternehmens partizipieren kann. Die Flexibilität der wirtschaftlichen Partizipation kennt keine Grenzen. Kapitalähnliche Leistungen finden auch vermehrt im Rahmen von Wissensaustauschs oder Einsatz von immateriellen Güter statt.

Kapital ist Zukunft.

Die Vielfältigkeit des Kapitaleinsatzes, aber insbesondere der Einsatz von Kapital im Generellen, entscheidet über die Richtung der Zukunftsentwicklung einer Gesellschaft. Dabei gibt es verschiedene Herausforderungen, die zu berücksichtigen sind. Aus eigener Erfahrung kann ich über einen Teil der Herausforderungen erzählen.

  • Als Asset Manager bin ich überzeugt, dass eine effiziente und vor allem effektive Allokation von Kapital in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird. Bestand die Aufgabe der Industrie in der Vergangenheit im möglichst günstigen „poolen“ von Kundengeldern zur Partizipation an der Wertentwicklung von Aktienmärkten (Stichwort: Indexierung), steigt die Sensibilität der Investoren darüber, was mit ihrem Geld passiert. Investments sollen vermehrt Impact orientiert sein sowie auch ökologischen, sozialen und Governance Ansprüchen gerecht werden. Dies ist mitunter ein Grund, weshalb Investitionen in illiquide Anlagemöglichkeiten an Bedeutung gewinnen.
  • Als Gründer eines KMUs kenne ich die typisch Schweizerische Risikoaversion, welche mit dem unternehmerischen Engagement einhergeht. Dies ist nicht weiter verwerflich, hilft es einem doch, den Schaden von Fehlern zu minimieren. Doch ein einfacherer, unkomplizierterer Zugang zu Kapital kann einen Beitrag zu einem gesunden Risikobewusstsein der hiesigen Jungunternehmer führen. Das wäre mehr als willkommen, denn oftmals laufen uns ausländische Unternehmen, die vor einigen Jahren ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckten, aufgrund ihres mutigen Vorgehens den Rang ab.
  • Als Mitglied des Stadtparlaments bin ich vermehrt darauf sensibilisiert, dass Fördergelder nicht einfach „a fonds perdu“ vergeben werden, sondern Beiträge für soziales Unternehmertum geleistet werden, um eine langfristige Wirkung der eingesetzten Steuergelder sicherzustellen.
  • Als Präsident der Jungfreisinnigen ist es mir ein Anliegen, dass die Investitionen in Bildung und Forschung weiterhin zunehmen. Ein Steuersystem, welches solche Investitionen begünstigt, schafft die notwendige Grundlage dafür.

Kapital ist Chance

Es muss uns somit als Gesellschaft gelingen, das Kapital und dessen Besitztum nicht (mehr) zu moralisieren, sondern einen breiten Diskurs über einen sinnstiftenden Kapitaleinsatz zu führen. Funktionierende Eigentumsrechte sind unabdingbar. Sie ermöglichen es, dass Kapital langfristig an innovative und mutige Projekte gebunden werden kann. 


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