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Den Mutigen gehört die Zukunft – Rede: Abschlussfeier BZZ

Liebe Absolventinnen und Absolventen, 

sehr geehrte Lehrpersonen und Vertreter des BZZ

geschätzte Angehörige, Bekannte und Gäste

Ich gratuliere allen Absolventinnen und Absolventen ganz herzlich zum Erreichen dieses Meilensteins. Ihr dürft stolz auf euch sein und könnt heute so richtig feiern.

Als ich vor sieben Jahren auf einem Stuhl in diesem Raum sass und ungeduldig auf das Diplom gewartet habe, hat Heliane Canepa – Unternehmerin und Besitzerin des FC Zürich – zu uns gesprochen. Nicht nur ihre Frisur hat mich beeindruckt. Ihre unternehmerischen Erfolge in männerdominierten Branchen verdankte sie unter anderem ihrem Mut, welchen sie immer wieder aufs Neue unter Beweis stellen musste.

Ich bin überzeugt: den Mutigen gehört die Zukunft! 

(Feier 1)
Bevor ihr im Jahr 2015 eure vierjährige Berufslehre zur Mediamatikerin und zum Mediamatiker, respektive zur Informatikerin und zum Informatiker mit Berufsmatura begonnen habt, brauchte das eine mutige Entscheidung, sich für mehrere Jahre vertieft ein eine Branche einzuarbeiten und Tag ein, Tag aus zu lernen. Dieser Mut zahlte sich spätestens gestern zum ersten Mal aus, als ihr eure EFZ entgegennehmen durftet und auch heute, wo ihr eure BMS-Zeugnisse erhalten werdet. Bravo!

(Feier 2)

Bevor ihr im Jahr 2016 eure dreijährige Lehre zur Kauffrau oder Kauffmann B-, E- oder M-Profil oder im Jahr 2017 eure zweijährige Lehre zur Büroassistentin oder zum Büroassistenten begonnen habt, brauchte das eine mutige Entscheidung, sich für mehrere Jahre vertieft ein eine Branche einzuarbeiten und Tag ein, Tag aus zu lernen. Dieser Mut zahlt sich heute zum ersten Mal aus, wenn ihr Eure Urkunden entgegennehmen könnt. Bravo!

Mutige Entscheidungen trifft man nicht nur bei der Wahl der Ausbildung, sondern in ganz verschiedenen Situationen. Sie alle kennen bestimmt die Situation, wenn man sich selbst einen Schubser geben muss, um endlich eine Entscheidung zu treffen. Denn Mut braucht es immer dann, wenn man die eigene Komfortzone verlässt und so auch ein gewisses Risiko eingeht. Und das ist gut: denn nur, wer regelmässig die eigene Komfortzone verlässt, kommt weiter. 

Man sagt uns Schweizern nach, dass wir eher scheu sind, wenn es darum geht, Risiken einzugehen. Das mag gar nicht so schlecht sein. Denn wer blauäugig das Risiko sucht, wird meist dafür bestraft. Wir Schweizer haben die Eigenschaft, bedacht, organisiert, strukturiert und in kleinen Schritten vorwärts zu gehen.

Wahrscheinlich seid ihr alle während der Berufslehre auf Situationen im Arbeitsalltag gestossen, wo Prozesse zu langsam oder nicht so organisiert waren, wie ihr es für richtig gehalten habt. So gab es sicher auch Momente, wo ihr mutig Veränderungen angestossen habt. Das ist gut so. Denn wer Veränderungen anstösst, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Ich möchte Euch ermutigen, auch in Zukunft mutig durch die Welt zu gehen und kritisch bestehendes zu hinterfragen. Insbesondere in der Arbeitswelt wird die Veränderung durch Automatisierung und Digitalisierung enorm schnell vorangehen. Wer dabei mutig ist, kann diese Veränderung mitgestalten und wird nicht abgehängt. Den Mutigen gehört die Zukunft.

Mut gehört auch bei mir zum Alltag. Zum Beispiel wenn es darum geht, in der Politik Dinge beim Namen zu nennen, die nicht besonders beliebt sind. Sie können sich vorstellen, dass nicht alle Mails, die ich nach einem Auftritt in der Arena des Schweizer Fernsehens erhalte, von positiver Natur sind. Doch gerade als Politiker kann man den Unterschied ausmachen, wenn man mutig Themen frühzeitig anspricht und damit besetzen kann. Ohne Mut kommt man in der Politik nicht weiter.

Mut begleitet mich auch in anderen Bereichen. Als Mitgründer einer Restaurants Kette brauche ich insbesondere dann viel Mut, wenn wir Eigentümer uns dafür entscheiden, einen neuen Standort zu eröffnen. Zwar kann man in einer Excel-Datei sämtliche Eventualitäten berücksichtigen, doch spielt bei strategischen Entscheiden neben der Vernunft auch immer ein wenig das Bauchgefühl mit. Mutige unternehmerische Entscheide sind nicht selten Ursprung des Erfolges. Das Eingehen von Risiko wird dann belohnt, wenn es diversifiziert und gut durchdacht ist.

Mut und mehr Risikofreude zahlen sich aus. Ich gehe heute eine Wette ein, dass all Absolventinnen und Absolventen im Saal bis zu ihrer Pensionierung mindestens eine weitere Aus- oder Weiterbildung absolvieren werden. Ich spreche aus Erfahrung: während neun von zehn Jahren bei der Zürcher Kantonalbank habe ich eine Aus- und teilweise gleichzeitig eine Weiterbildung absolviert. Dabei hatte ich nicht immer dasselbe Ausmass an Begeisterung für gewisse Themen, doch bin ich mir stets bewusst, dass wir ohne lebenslanges Lernen nicht arbeitsmarktfähig bleiben werden. 

Den Mutigen gehört die Zukunft, da sie Bestehendes immer wieder challengen, gerne widersprechen, das Unbekannte als Chance sehen, das eigene Handeln stets kritisch hinterfragen und die Zusammenarbeit suchen. Wer denkt, heutzutage noch als Einzelkämpfer erfolgreich zu sein, hat noch nie die geballte Energie einer begeisterten Gruppe gespürt. Ihr denkt nun wohl an die eine oder andere Gruppenarbeit während der Berufslehre, die mehr mühsam als erfolgreich war. Seht es als Bereicherung, wenn ihr wisst, mit wem es eben nicht immer gut klappt. Man hat mir einmal gesagt, dass die drei Personen, mit denen man am stärksten interagiert, einem selbst am Nachhaltigsten prägen werden. Überlegt Euch also gut, mit wem ihr Eure kostbare Zeit verbringt 😉.  

Zuletzt erlaube ich mir, Euch einen Tipp aus meiner Berufspraxis bei der Zürcher Kantonalbank mit auf den Weg zu geben. Mein Arbeitgeber hat vor ca. drei Jahren entschieden, Jahresziele für Mitarbeitende abzuschaffen. Neu war, dass alle die Möglichkeit haben, in Zusammenarbeit mit dem Chef einen Entwicklungsplan für sich selber auszuarbeiten. Ich kann Euch versichern: es macht richtig Spass und ist fordernd zugleich, wenn man sich selbst intensiv mit der eigenen Zukunft auseinandersetzen kann. Holt aktiv Feedback von Freunden, der Familie und ArbeitskollegInnen ein, schreibt Eure Werte und Ziele nieder, welche ihr erreichen wollt. Überarbeitet den Plan wenn ihr meint, er sei nicht mehr aktuell, streicht Ideen, die ihr doch nicht mehr gut findet und nehmt so Eure Entwicklung aktiv selbst in die Hand. Das gibt eine gewisse Grundsicherheit und Freiheit, sich in anderen Themen auszuleben im Wissen, dass man weiss, was man will. 

Ich wünsche Euch den Mut, Risiken einzugehen, um danach auch von den Lorbeeren profitieren zu dürfen. Ich wünsche Euch den Mut, dort zu wiedersprechen, wo ihr nicht einverstanden seid, im Wissen, dass nicht alles sofort geändert werden kann. Ich wünsche Euch den Mut, Neues auszuprobieren und darüber zu sprechen, wenn es nicht wie gewünscht geklappt hat. Ich wünsche Euch den Mut, mutig zu sein – denn den Mutigen gehört die Zukunft 😊.  


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