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Die positive Kehrseite der Medaille 2020

Erschienen im Tagblatt der Stadt Zürich – Forum der Parteien

Was haben wir uns in diesem Jahr geärgert, und wie haben wir zeitweilen auch gelitten: Zu viele, zu wenige oder Massnahmen zum falschen Zeitpunkt. Die Pandemie und das damit zusammenhängende gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Leid prägen unseren Alltag. Gerade deshalb ist es mir wichtig, das laufende Jahr mit zwei positiven Gedanken abzuschliessen.

Erstens: Der Aufschwung von Digitalisierung und mobilem Arbeiten. Diese Themen waren bis Anfang 2020 zwar in aller Munde, doch wenig fassbar und kaum gelebt. Heute wissen die meisten, was ein QR-Code ist und wie man diesen einliest. Und die Vorgesetzten, welche jahrelang ihren Angestellten misstrauten, wenn sie einen halben Tag pro Woche von Zuhause aus arbeiten wollten, lernten, dass Homeoffice auch seine Vorteile hat. Ich hoffe, dass das Fax-Gerät im kommenden Jahr nun ausgedient hat. Das Potenzial der Digitalisierung ist riesig und bringt einen Nutzen für alle: Wir können, unabhängig des Standorts, vieles ganz einfach erledigen und uns mehr Zeit für das nehmen, was uns besonders wichtig ist und Freude macht. Ich wünsche mir, dass in Zukunft der digitalen Entwicklung viele Steine aus dem Weg genommen werden. Konkret brauchen wir endlich ein Gesetz über die elektronische Identität (nationale Abstimmung am 7. März 2021) und eine Erneuerung der Telekommunikationsinfrastruktur auf 5G.

Zweitens: Gelebte Solidarität über Generationen. Als der Lockdown im Frühling beschlossen wurde, ging es nur wenige Stunden, bis die ersten Websites aufgeschaltet waren, wo man Hilfe suchen und anbieten konnte. Ein Grossteil der Menschen hat sich nicht zuerst um sich, sondern um die vulnerablen Personen in der Gesellschaft gesorgt – ob im Familienkreis, in der Nachbarschaft oder unbekannter Natur. Der Zusammenhalt war gross. Viele mussten zurückstecken: Kein Auslandsemester, keine grosse Hochzeitsfeier, kein Praktikum in der Eventbranche. Im Jahr 2020 war Verzicht angezeigt. Doch die Jungen haben damit bewiesen, dass auch sie solidarisch sein können. Für die kommenden politischen Debatten wünsche ich mir, dass vermehrt auch darauf acht gelegt wird, wie «enkeltauglich» unsere Lösungen sind.

Ich bin überzeugt, dass uns die Generationensolidarität und die Digitalisierung bei den kommenden Herausforderungen helfen werden. Sei dies bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, beim Abbau der neuen Schulden oder der Sanierung der Sozialwerke. Schliesslich listet der Jugendbarometer 2020 die Sanierung der Altersvorsorge auf Platz 1 der Schweizer Jugend. Es geht nur miteinander und wenn jede und jeder bereit ist, einen Schritt nach vorne aufeinander zuzugehen.

Eines meiner persönlichen Highlights im Jahr 2020 war die Nominierung zum Präsidenten der FH Schweiz, der Dachvereinigung der AbsolventInnen von Schweizer Fachhochschulen. Das duale Bildungssystem ist gerade in einer Zeit des Wandels Garant für soziale Mobilität. Das heisst, dass man unabhängig, woher man kommt, die Chance haben soll, durch Willen und Einsatz aufzusteigen. Ich werde mich in Zukunft dafür einsetzen, dass die Schweiz und ihr Bildungssystem eine grosse Durchlässigkeit haben und so Chancen für alle bieten. So, dass jede und jeder eigene Highlights erleben kann.

Was war Ihr Highlight im Jahr 2020? Ich wünsche Ihnen trotz allem frohe Festtage und insbesondere gute Gesundheit.

zur Ausgabe vom 23. Dezember 2020


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