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Medienberichte

Buchtipp (SPICK)

14. November 2019
Welches Buch sollte man als Jugendlicher unbedingt gelesen haben? In dieser Ausgabe der Tipp von FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt aus Zürich. Kleider machen Leute, Gottfried Keller Wie ich sie gehasst habe, die kleinen gelben Bücher, auf welchen in grossen Buchstaben «RECLAM» stand. Sie standen sinnbildlich für Langeweile und ausschweifende Ausführungen unseres Lehrers. ...

Buchtipp (SPICK)

14. November 2019

Welches Buch sollte man als Jugendlicher unbedingt gelesen haben? In dieser Ausgabe der Tipp von FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt aus Zürich.

Kleider machen Leute, Gottfried Keller

Wie ich sie gehasst habe, die kleinen gelben Bücher, auf welchen in grossen Buchstaben «RECLAM» stand. Sie standen sinnbildlich für Langeweile und ausschweifende Ausführungen unseres Lehrers. Eine Reclam-Ausgabe hat es mir aber angetan: Gottfried Kellers «Kleider machen Leute». Die Novelle handelt von einem armen Schneiderlein, der aus Versehen für einen reichen Grafen gehalten wurde. Diesen Irrtum nicht gleich zu Beginn aufgelöst, verstrickt er sich immer weiter in ein Lügenkonstrukt. Als es zum Showdown kam und das Schneiderlein aufflog, ergriff er die Flucht und erlag beinahe der frostigen Kälte. Die Novelle lehrte mich, auch in unangenehmen Situationen stets die Wahrheit zu sagen und zu dem zu stehen, was ich bin.



Bis um 2 Uhr draussen essen und trinken: Zürich testet «mediterrane Nächte», doch die Gegner künden erbitterten Widerstand an (NZZ)

13. November 2019
Zürcher Gartenwirtschaften sollen 2020 an ausgewählten Wochenenden zwei Stunden länger öffnen dürfen. Einige Quartiervereine künden bereits erbitterten Widerstand an. «Mediterrane Nächte» verspricht sich der Zürcher Gemeinderat davon: Einige Zürcher Bars und Restaurants sollen an Sommerwochenenden ihre Gäste zwei Stunden länger draussen bewirten dürfen. Ihren Aussenbereich müssten Bars an der Langstrasse dann ...

Bis um 2 Uhr draussen essen und trinken: Zürich testet «mediterrane Nächte», doch die Gegner künden erbitterten Widerstand an (NZZ)

13. November 2019

Zürcher Gartenwirtschaften sollen 2020 an ausgewählten Wochenenden zwei Stunden länger öffnen dürfen. Einige Quartiervereine künden bereits erbitterten Widerstand an.

«Mediterrane Nächte» verspricht sich der Zürcher Gemeinderat davon: Einige Zürcher Bars und Restaurants sollen an Sommerwochenenden ihre Gäste zwei Stunden länger draussen bewirten dürfen. Ihren Aussenbereich müssten Bars an der Langstrasse dann beispielsweise erst um 2 Uhr morgens schliessen, wenn dieser heute bis Mitternacht offen ist. Das Stadtparlament hat einen Vorstoss von Nicole Giger (sp.) und Andri Silberschmidt (fdp.), der das aus Thun und anderen Städten bekannte Konzept in Zürich testen will, im Frühling deutlich gutgeheissen. Dagegen waren die AL, die lange Gerichtsverfahren befürchtet, sowie einige Vertreter anderer Parteien, die der Quartierbevölkerung nicht mehr Lärm zumuten wollen.

Das Sicherheitsdepartement hat am Mittwoch im Amtsblatt nun die Eckpunkte dieses Versuchs dargelegt: Die Cafés dürfen nur an jeweils zwei Wochenenden im Sommer 2020 von den längeren Öffnungszeiten profitieren. Die Betriebe in den Stadtkreisen 1, 2 und 8 sind zum Beispiel am 11./12. Juli sowie am 1. und 2. August an der Reihe; die Kreise 3 bis 5 sowie 9 dürfen am 18./19. Juli sowie am 8./9. August länger öffnen, die restlichen Kreise sind nochmals je eine Woche später dran. Man wolle den Versuch wissenschaftlich begleiten und auswerten lassen, schreibt das Sicherheitsdepartement in einer Medienmitteilung.

Der Versuch wird zudem beschränkt auf bestehende Gastwirtschaften mit Aussenbereichen. Restaurants und Bars, die sich in bestimmten lärmempfindlichen Gebieten befinden, dürfen zudem nicht am Pilotversuch teilnehmen. Lautsprecher und Live-Musik sind nicht erlaubt, zudem können Betriebe, bei denen es zu laut wird und die zu wenig dagegen tun, von künftigen mediterranen Nächten ausgeschlossen werden.

Mit diesen Einschränkungen bleibt die Stadt hinter dem Postulat des Gemeinderats zurück. Das kommt nicht ganz unerwartet: Die Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (gp.) hat bereits im Frühling im Rat erwähnt, dass man den Versuch 2020 «vorsichtig angehen» und im Anschluss sauber auswerten werde. Erst danach werde über eine definitive Einführung der «mediterranen Nächte» entschieden.

«Das Mass ist voll»

Gar keine Freude am Versuch, trotz reduziertem Umfang, hat die neue Gruppe «Innenstadt als Wohnquartier». Beteiligt sind unter anderem die Quartier- und Einwohnervereine in der Innenstadt links und rechts der Limmat, in Selnau sowie in Aussersihl-Hard (Kreis 4), hinzu kommt die IG Idaplatz. Das Mass sei voll, schreibt die Gruppe in einer Medienmitteilung. Man werde mit allen Mitteln «– politisch und juristisch – gegen die mediterranen Nächte und gegen den Kommerzialisierungs-, Eventisierungs- und Liberalisierungswahn kämpfen». Die Innenstadtquartiere würden damit als Wohnquartiere infrage gestellt. Die Politik sei sich dessen zu wenig bewusst.

Zudem kündigt sie eine Pressekonferenz an; man sei über den Entscheid nicht vorinformiert und entsprechend überrascht worden. «Wir planen, Rekurs gegen den Versuch einzulegen», sagt Felix Stocker, ehemaliger SP-Gemeinderat und Vertreter der Gruppe. Allerdings müsse man noch gewisse juristische Abklärungen vornehmen. Das Bundesgericht habe 2018 einen Entscheid getroffen, der die Restauration in Innenhöfen einschränkt. «Das nehmen wir uns als Vorbild.»

Mit dem reduzierten, sanften Versuch sei es wohl besser möglich, das Resultat als Erfolg darzustellen, sagt Stocker. «Aber wenn nur punktuell getestet wird, kann man den Versuch gar nicht wissenschaftlich untersuchen.» Völlig unklar sei zudem noch, wie es nach der Testphase weitergehe.

Die «mediterranen Nächte» seien aber bloss Stein des Anstosses, weshalb man die Gruppe gegründet habe. Die Immissionen seien in der Innenstadt jetzt schon sehr gross, sagt Stocker. «Es geht uns darum, diese als Wohnquartier zu erhalten – auch für sensitive Personen wie Ältere und Kinder.» Die Gruppe will sich also langfristig als Stimme in der Nachtlärmdebatte etablieren. Weitere Initiativen seien indes noch nicht spruchreif. Nebst den aufgeführten Vereinen hätten sechs weitere Gruppierungen im Grundsatz ihre Unterstützung gegeben, diese müssten intern aber noch das definitive Okay einholen.

Die Gruppe (sowie Bürgerinnen und Bürger) hat nun dreissig Tage Zeit, gegen den Pilotversuch Einsprache zu erheben.

«Etwas mutlos»

Doch auch die Promotoren der längeren Öffnungszeiten sind nicht restlos zufrieden. Nicole Giger sagt, sie begrüsse, dass etwas umgesetzt werde. Man habe allerdings im Postulat nicht vorgesehen, dass der Versuch auf wenige Wochenenden und Kreise reduziert werde. «Ich finde das schade und etwas mutlos. Ich frage mich, ob sich daraus eine gute Basis für eine verlässliche Auswertung ergibt.» Doch es sei wohl die «typisch schweizerische Art», sich den mediterranen Nächten zu nähern, nämlich über einen Kompromiss.

Andri Silberschmidt ist grundsätzlich zufrieden mit dem Versuch. «Ich bin überzeugt, dass diese Testphase das ‹Schreckpotenzial› der mediterranen Nächte vermindert.» Der Mensch sei bei Neuerungen per se etwas skeptisch. «Für die Akzeptanz ist es daher wichtig, dass wir Schritt für Schritt vorgehen.» Unverständlich findet er die Reaktion der Gegner: «Einige Quartiervereine blockieren die Idee seit Tag 1 komplett.» Es brauche Gesprächsbereitschaft von beiden Seiten. Zürich verändere sich, auch die Quartiervereine müssten mit der Zeit gehen. Im Versuch gehe es ja gerade darum, die Gartenbeizen einzubeziehen, die wegen möglicher Lärmklagen selbst alles Interesse daran hätten, dass sich die Gäste ruhig verhielten.

Stadtrat will Mittelweg gehen

Mathias Ninck, der Sprecher des Sicherheitsdepartements, sagt, dass mit der Beschränkung auf sechs Wochenenden dem Ruhebedürfnis der Anwohner Rechnung getragen werden solle – man habe einen Weg in der Mitte, zwischen den Interessen von Wirten und jenen der Quartierbevölkerung, finden müssen. Sofern es nicht an allen sechs Wochenenden regne, bringe der Versuch auf jeden Fall Erkenntnisse.

Die Überraschung könne er nicht nachvollziehen: «Der Vorstoss wurde im Frühling schliesslich mit grossem Mehr überwiesen.» Aufgrund möglicher Einsprachen und Fristen hätte man den Beschluss nicht erst im Frühling veröffentlichen können. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung würden die verschiedenen Interessengruppen von Beginn weg in den Test einbezogen, sagt Ninck.

Die Vorbereitung und Durchführung des Versuchs werde auf jeden Fall anspruchsvoll: «Jeder Beizer muss ohne grossen Aufwand sehen, ob er seine Öffnungszeiten verlängern darf oder nicht.»

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Tagesanzeiger




Grünschnäbel an die Macht (Tagesanzeiger)

12. November 2019
Die Jungen erobern Bundesbern. Und schon wird an ihrer Kompetenz gezweifelt. Warum nur? Die Verjüngung unseres Parlaments schreitet munter voran. Johanna Gapany, die freisinnige Freiburgerin, und Lisa Mazzone, die grüne Genferin, wurden am Wochenende in den Ständerat gewählt. Beide sind 31 Jahre alt. Der Nationalrat, traditionell sowieso die jüngere Kammer, ist so ...

Grünschnäbel an die Macht (Tagesanzeiger)

12. November 2019

Die Jungen erobern Bundesbern. Und schon wird an ihrer Kompetenz gezweifelt. Warum nur?

Die Verjüngung unseres Parlaments schreitet munter voran. Johanna Gapany, die freisinnige Freiburgerin, und Lisa Mazzone, die grüne Genferin, wurden am Wochenende in den Ständerat gewählt. Beide sind 31 Jahre alt.

Der Nationalrat, traditionell sowieso die jüngere Kammer, ist so jung wie noch nie. Das Durchschnittsalter ist erstmals unter 50 Jahre gesunken. Die Zahl der unter 30-Jährigen hat sich von vier auf sieben fast verdoppelt.

Das ist nun in einem Land, in dem das Wählbarkeitsalter bei 18 Jahren liegt, nun noch kein besonders sensationeller Wert. Dennoch haben Abgewählte, Kommentatoren (vermutlich im eher vorgerückten durchschnittlichen Kommentatorenalter) und andere Missgünstlinge schon ein Haar in der Suppe gefunden: Mit vielen neuen, jungen, unerfahrenen Ratsmitgliedern gehe im Parlament Fachwissen verloren. Das politische Langzeitgedächtnis sei vom Aussterben bedroht, diese Elefantenweisheit, die es eben brauche, um die langsamen Mühlen des Politbetriebs zu durchdringen.

Wählerinnen und Wähler sehen das mitunter anders. Mit 31 wurde in Österreich Sebastian Kurz zum ersten Mal Bundeskanzler, jetzt, mit 33 will er schon seine zweite Regierung bilden. Jacinda Ardern war 37, als sie Premierministerin von Neuseeland wurde. Viktor Orbán, man hat das heute vergessen, war 35, als er 1998 erstmals ungarischer Premier wurde. Mit 39 wurde Emmanuel Macron französischer Präsident. Unter etwas anderen Bedingungen wurde 2011 Kim Jong-un «Oberster Führer» Nord­koreas – mit 27 Jahren.

Und das sind nur die aktuellsten Beispiele. Napoleon putschte sich mit 30 Jahren zu Frankreichs «Erstem Konsul». Der «Comandante en Jefe» Fidel Castro erkämpfte sich mit 33 die Macht in Kuba. Heinrich Himmler war 29, als er Reichsführer der SS wurde und damit eine der wichtigsten Figuren im späteren Nazistaat.

Umgekehrt ist Donald Trump 73-jährig, und seine wichtigsten Herausforderer für das Amt des US-Präsidenten würden in einer typischen Seniorenresidenz den Altersschnitt eher noch anheben: Joe Biden (76), Bernie Sanders (78), Elizabeth Warren (70), Michael Bloomberg (77).

Man sieht: Jugendlichkeit ist kein Hindernis für Politiker. Fortgeschrittenes Alter aber auch kein Qualitätsmerkmal. Wenn schon, wünscht man sich in der Schweiz mehr jüngere Leute im Politikbetrieb. Nicht weil sie zukunftsgerichteter, unabhängiger oder besser politisieren, sondern einfach, weil es sie braucht: ihre Perspektive, ihre Unverbrauchtheit. Und weil sie nicht sagen können «das haben wir schon immer so gemacht».

Dass Ruth Metzler mit 34 Jahren Bundesrätin wurde, ist jetzt auch schon wieder 20 Jahre her. Die Zeit für junge Leute an der Spitze der Schweiz ist so reif, wie sie es immer war.

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Das jüngste Parlament (Tagesanzeiger)

8. November 2019
Der neue Nationalrat bricht gleich zwei Jugendrekorde. Einige fürchten deshalb den Verlust von Fachwissen, andere hoffen auf frische Ideen. Ruth Humbel, CVP-Politikerin aus dem Kanton Aargau, steht vor einem unfreiwilligen Aufstieg. Im Dezember, wenn der neu gewählte Nationalrat erstmals zusammentritt, könnte Humbel dessen Alterspräsidentin werden. «Fast ein Schock» sei es gewesen, ...

Das jüngste Parlament (Tagesanzeiger)

8. November 2019

Der neue Nationalrat bricht gleich zwei Jugendrekorde. Einige fürchten deshalb den Verlust von Fachwissen, andere hoffen auf frische Ideen.

Ruth Humbel, CVP-Politikerin aus dem Kanton Aargau, steht vor einem unfreiwilligen Aufstieg. Im Dezember, wenn der neu gewählte Nationalrat erstmals zusammentritt, könnte Humbel dessen Alterspräsidentin werden. «Fast ein Schock» sei es gewesen, dies zu erfahren, bekennt Humbel. In der Tat entspricht ihr Profil – 62 Jahre alt, seit 16 Jahren im Rat – nicht der landläufigen Vorstellung eines «Polit-Sauriers».

Doch die Nationalratswahlen dieses Jahres waren in demografischer Hinsicht ausser­gewöhnlich. Es resultierte ein doppelter Jugendrekord: 36 Gewählte sind zwischen 30 und 39 Jahre alt, 7 Mitglieder gar jünger als 30 Jahre. In der Auswertung des Bundesamts für Statistik, die bis zu den Wahlen 1971 zurückreicht, sind dies für beide Alterskategorien die höchsten Werte. Sie sind zusammen­gerechnet dreimal so hoch wie beispielsweise 1999, als die SVP stärkste Kraft wurde. Auch das Durchschnittsalter ist mit 48,8 Jahren so tief wie nie zuvor in der ausgewerteten Periode.

«Das Langzeitgedächtnis droht abhandenzukommen.»

Ruth Humbel (62), CVP-Nationalrätin

Und zum ersten Mal seit 1983 – weiter reichen die verfügbaren Statistiken nicht zurück – wurde kein Nationalrat mit 20 oder mehr Jahren Dienstzeit gewählt. Länger als Ruth Humbel ist nur die Baselbieter Grüne Maya Graf im Amt, doch auch bei ihr sind es weniger als 20, nämlich 18 Jahre. Sollte Graf am 24. November die Wahl in den Ständerat gelingen, ginge der Titel der Alterspräsidentin auf Humbel über.

Einarbeiten in Dossiers

Bei den Gewählten nimmt man die neue Jugendlichkeit mit gewisser Sorge zur Kenntnis. Der demografische Wandel kam nicht zuletzt durch eine ganze Reihe von Abwahlen lang gedienter Parlamentarier zustande. «Aus Sicht der Demokratie ist eine hohe Wechselquote im Parlament zwar interessant, weil neue Themen Aufschwung erhalten. Doch es geht auch viel Fachwissen verloren», sagt die Urner CVP-Politikerin Heidi Z’graggen. Sie hat in ihrer Dissertation über die Professionalisierung von Parlamenten geforscht – und sie wird im Dezember selber als neu gewählte CVP-Ständerätin ins Bundeshaus einziehen. Sie rechnet mit einer längeren Phase, bis sie sich in die ihr zugewiesenen Dossiers eingearbeitet hat.

Wie sich ein Verlust von Fachwissen auswirken kann, hat Ruth Humbel bereits erfahren müssen. Die Sozial- und Gesundheitskommission, in der Humbel seit vielen Jahren politisiert, wurde wegen Rücktritten schon ­Anfang der letzten Legislatur spürbar umgekrempelt.

Der SVP etwa gelang es nach Ansicht vieler Beobachter bis heute nicht, den Abgang ihrer sozialpolitischen Koryphäe Toni Bortoluzzi zu kompensieren. «Das Langzeitgedächtnis droht abhandenzukommen», konstatiert Humbel. «Da kommen neue Mitglieder mit ihren idealistischen Vorstellungen, wie das Gesundheitssystem zu retten wäre. Und es gibt immer weniger Erfahrene, die darauf hinweisen können, dass die vorgeschlagenen Modelle schon vor Jahren geprüft und für untauglich befunden wurden.»

«Unbelasteter und frischer»

Der Zürcher Freisinnige Andri Silberschmidt, mit seinen 25 Jahren der jüngste Wahlgewinner, beurteilt die Lage positiver. «Neue Leute bringen neue Ideen und innovative Ansätze», sagt Silberschmidt. «Alteingesessene, die ein Dossier schon dreimal durchgeackert haben, sind oft festgefahren in ihren Ansichten.» Einerseits könnten sie von ihrer Erfahrung profitieren, andererseits würden sie die Lust an der Diskussion verlieren. «Junge ­gehen unbelasteter und frischer an das Problem heran.»

Unbestreitbar ist, dass das Resultat vom 20. Oktober den hohen Politisierungsgrad der Jugend im «Klimawahljahr» widerspiegelt. Neben der politischen Grosswetterlage macht Heidi Z’graggen aber auch strukturelle Gründe für Jugendtrend und frühere Rücktritte aus.

«Wer schon zwischen 20 und 30 ins Parlament gewählt wird, richtet sich oft voll auf die Politik ein.

Andri Silberschmidt (25), FDP-Nationalrat

Das Parlament habe sich in den letzten Jahren immer mehr professionalisiert. In der internationalen Tendenz führe das zwar eher zu längeren Amtszeiten. In der Schweiz habe es aber womöglich zur Folge, «dass ein Vollzeit-Parlamentarier nach ein paar Legislaturen als Karriereschritt ein neues politisches Amt anstrebt» – beispielsweise Ständerat oder ein Vollzeit-Exekutivamt.

Gespannt auf Nationalrat

Dies sieht auch Silberschmidt kritisch. «Wer schon zwischen 20 und 30 ins Parlament gewählt wird, richtet sich oft voll auf die Politik ein. Und 15 Jahre später merken die Leute auf ­einmal, dass ihnen die Erfahrung fehlt, um in die Privatwirtschaft zu wechseln.» Selber will Silberschmidt, von Beruf Gastrounternehmer, die Mutation zum Vollzeitpolitiker unbedingt vermeiden.

Vorerst stehen der Schweiz nun vier Jahre Erfahrung mit einer politisch und demografisch neuartig komponierten Legis­lative bevor. Für Ruth Humbel wird es die letzte Legislatur sein: Sie sei teilweise schon jetzt als «Sesselkleberin» apostrophiert worden. Wie der neue Nationalrat, der jüngste und unerfahrenste seit Jahrzehnten, arbeiten wird, «darauf bin ich gespannt», so Humbel.

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«Stärkere Regulierungen wären gerade für das Gastgewerbe verheerend» (gastro journal)

8. November 2019
Im zukünftigen Parlament sitzen vier Mitglieder von Gastro­Suisse: Esther Friedli von der SVP und Andri Silberschmidt von der FDP ziehen neu als Nationalräte nach Bern, Nik Gugger (EVP) und Alois Gmür (CVP) erneut. Die neuen Parlamentarier, die beide Gastronomen sind, über die Herausforderungen des Alltags und wie sie diese mit ...

«Stärkere Regulierungen wären gerade für das Gastgewerbe verheerend» (gastro journal)

8. November 2019

Im zukünftigen Parlament sitzen vier Mitglieder von Gastro­Suisse: Esther Friedli von der SVP und Andri Silberschmidt von der FDP ziehen neu als Nationalräte nach Bern, Nik Gugger (EVP) und Alois Gmür (CVP) erneut. Die neuen Parlamentarier, die beide Gastronomen sind, über die Herausforderungen des Alltags und wie sie diese mit der Politik verbessern wollen.

Andri Silberschmidt, seit gut zwei Wochen wissen Sie, dass Sie als FDP-Nationalrat im neuen Parlament sitzen werden. Mit welchen Gefühlen verbinden Sie Ihr erstes politisches Engagement auf nationaler Ebene? 
Andri Silberschmidt (AS): Mit viel Freude. Ich bin nun fast vier Jahre lang Parteipräsident der Jungfreisinnigen und habe in dieser Funktion immer über nationale Themen debattiert. Aber nun von Anfang dabei zu sein, wenn ein Gesetz ausgearbeitet wird, ist was ganz anderes. Ich freue mich ausserdem, dass viele Junge den Sprung ins Parlament geschafft haben. Wir sind offener, um über Parteigrenzen hinweg eine Lösung zu finden. 

Esther Friedli, sind Sie als SVP-Mitglied bereit, mit der FDP zusammenzuspannen? 
Esther Friedli (EF): Es ist sehr wichtig, wenn wir mit Parteien mit ähnlichen politischen Anliegen den Kontakt suchen. Ich werde mich mit unserer Partei und zusammen mit der FDP vor allem für wirtschaftspolitische Themen zusammentun, denn von links-grün kommen nun so viele Forderungen für den Arbeitsmarkt, die wir nur gemeinsam verhindern können. Stärkere Regulierungen wären gerade für das Gastgewerbe verheerend. Wir brauchen Flexibilität. 

In einer ersten Stellungnahme gegenüber dem GastroJournal sagen Sie, Andri Silberschmidt, Sie möchten sich gegen hohe Abgaben und ausufernde Bürokratie in der Gastronomiebranche wehren. CVP-Nationalrat Alois Gmür vermutet aber, dass die neue Zusammensetzung des Parlaments für noch mehr Vorschriften und Auflagen sorgen wird.  
AS: Das ist tatsächlich eine Gefahr. Wichtig ist, dass wir allen die Augen öffnen, was Bürokratie im Alltag wirklich heisst. Letztlich sind es die Konsumenten, vor allem aber auch Arbeitsplätze, die als Folge davon auf der Strecke bleiben. Ich bin kein Lobbyist. Aber ich kann mit meinem Wissen aus der Gastronomie Verständnis schaffen, damit die anderen Ratsmitglieder gegenüber der Branche positiv eingestellt sind.  
EF: Wenn die Ratslinke nun 50 Wochen Elternurlaub fordert, schwant mir Böses. Ich wüsste gar nicht, wie wir das als KMU stemmen könnten. Auch ich möchte meine persönliche Alltagserfahrung einbringen. Im Parlament sitzen noch immer zu viele, die noch nie in ihrem Leben einen Kaffee verkaufen mussten. Ich möchte deshalb den einen oder anderen Parlamentarier gerne mal einladen, um an einem Sonntag bei uns mitzuarbeiten. Das Gastgewerbe ist sehr streng, macht aber auch viel Freude. Ich werde mich gegen höhere Sozialabgaben wehren, denn damit steigen unsere Lohnkosten. Rechnen Sie mal hoch, wie viele zusätzliche Kaffees wir verkaufen müssen, um all diese linken Forderungen zu erfüllen. 

In welchen Punkten stimmen Sie, Andri Silberschmidt, mit Esther Friedli überein? 
AS: Was die Anliegen des Gewerbes betrifft, werden wir viele Übereinstimmungen haben. Das gilt auch für die Altersvorsorge. Erhebliche Unterschiede haben wir jedoch, wenn es um die Beziehungen der Schweiz zum Ausland geht. Es wäre ohnehin falsch, für sämtliche Bereiche einen Block mit der SVP zu bilden. Erfolgsversprechender ist für mich, wenn wir als FDP für unsere Anliegen Mehrheiten suchen. Das kann auch mal mit der SP oder den Grünliberalen sein.  
EF: Ich würde es begrüssen, öfter mit der FDP zusammenzuspannen. Im Kanton St. Gallen sind wir in verschiedenen Themen auf die Freisinnigen zugegangen. Leider haben sie uns immer wieder im letzten Moment enttäuscht. Neuestes Beispiel: Wir waren für Steuersenkungen, der Freisinn nicht. 

Wie organisieren Sie sich ab Dezember, wenn Sie im Nationalrat politisieren? 
EF: Wir werden das Personal aufstocken müssen, und die Hauptverantwortung unseres Restaurants geht von mir an Toni über (Toni Brunner, ihr Partner, Anmerkung der Redaktion). Allerdings beabsichtige ich, so viel wie möglich im Restaurant zu arbeiten. Wir haben das Haus der Freiheit in Ebnat-Kappel montags und dienstags geschlossen. Dann ist Hauptbetrieb in Bern. Das lässt sich gut kombinieren. Am Wochenende möchte ich im Restaurant anpacken. 

Sie arbeiten also täglich, haben sich dieses Jahr nur gut eine Woche Ferien gegönnt. Was tun Sie zum Ausgleich?
EF: Ich bin gerne mit Tieren zusammen, gehe spazieren und bewege mich in der Natur, obwohl ich nicht so sportlich bin. 

Andri Silberschmidt, Sie sind bereits vor den Wahlen als Präsident der Jungfreisinnigen zurückgetreten und haben Ende Oktober 2019 auch ihren Job bei der ZKB aufgegeben. Rechneten Sie mit dem Einzug ins Parlament? 
AS: Nein. Mir ging es darum, nach zehn Jahren beim gleichen Arbeitgeber und nach meinem abgeschlossenen Master mein Leben mit neuen Impulsen zu bereichern. Ich dachte, wenn mir ein guter Wahlkampf gelingt, könnte ich es als erster Ersatz schaffen. Dass es jetzt geklappt hat, ist umso schöner. 

Was sind Ihre wichtigsten politischen Ziele? 
AS: Ich habe zwei Hauptthemen: Erstens die Sicherung der Renten. Dies soll nicht in erster Linie über mehr Steuern und Abgaben geschehen, sondern auch über die Bereitschaft, länger zu arbeiten. Zweitens möchte ich das Unternehmertum stärken. Menschen, die Verantwortung übernehmen, in dem sie den Leuten einen Job anbieten und so Risiken auf sich nehmen, sollten gefördert werden. 
EF: Ich vertrete mit dem Toggenburg die ländliche Schweiz. Angesichts der Urbanisierung wird der ländliche Raum immer mehr vergessen. Wir sind beispielsweise auf ein Auto mit Allradantrieb angewiesen. Ich kann nicht einfach aufs Tram umsteigen. Eine allfällige Verteuerung von Benzin und Diesel hätte für uns massive Auswirkungen. Wir auf dem Land dürfen nicht wegen der Klimadiskussion bestraft werden. Es heisst auch, Kühe seien die grossen CO2-Verursacher. Wir aber leben mit der Natur und sind auf sie angewiesen. Wollen wir denn, dass unsere Nahrungsmittel nur noch im Ausland produziert werden? 

Wo muss die Politik zugunsten der Branche den Hebel ansetzen? 
EF: Die Nicht-Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative hat eine riesige Bürokratie zur Folge. Wenn wir Personal suchen, müssen wir zuerst alles erfassen, dem RAV melden, und dann ist die Arbeitsstelle für fünf Tage gesperrt. Hier braucht es flexiblere Lösungen, die den unterschiedlichen Verhältnissen in den Kantonen Rechnung tragen. Generell wehre ich mich gegen neue Vorschriften und Gebühren. Die Politik sollte Freiräume für Innovationen schaffen. Das Beispiel von Kaisin zeigt, dass es sich lohnt, vielfältige Gastronomiekonzepte zu unterstützen. Eine Herausforderung für kleine Gastrobetriebe ist auch die Umsetzung der neuen Lebensmittelrichtlinien. Mei­ne Erfahrung im Alltag: Jene Kunden, die wirklich Allergien haben, sind meist am unkompliziertesten. 

Was ist das speziellste Erlebnis, das Sie in Ihrer Karriere als Gastgeberin hatten? 
EF: Als Gastgeber ist man irgendetwas zwischen Pfarrer und Psychiater. Ich habe gerne ein offenes Ohr, kann aber nicht alle Probleme lösen. Das zeigt, dass die Gastronomie nicht nur für die Wirtschaft einen grossen Beitrag leistet. Sie ist auch für das Sozialleben in der Gesellschaft sehr wichtig. Ohne Restaurants wird die Vereinsamung der Menschen verstärkt. Bei uns haben sich am langen Tisch viele Leute kennengelernt. Daraus sind Freundschaften und Geschäftsbeziehungen entstanden. 

Andri Silberschmidt, wie erleben Sie als Mitgründer und VR-Präsident der Kaisin die Bürokratie im Alltag? 
AS: Tatsächlich ist die Personaladministration enorm arbeitsintensiv. Wir werden dieses Jahr über eine Million Franken Umsatz machen. Obwohl ich Betriebswirtschaft lernte, muss ich für den Mehrwertsteuerabschluss einen Buchhalter anheuern, was zusätzlich kostet. Die Grundhaltung sollte ändern: Einen Passantenstopper sollte man vors Restaurant stellen dürfen, und erst wenn sich die Einwohner ärgern, wird er wieder weggenommen. Es führt zu weit, für alles immer die Stadt um Erlaubnis fragen zu müssen. Dass beispielsweise die Beizen in der Stadt länger offen haben wollen, entspricht einem Bedürfnis der Mehrheit der Einwohner. Das kann man nicht wegdiskutieren. 

Sie haben auf dem Land ganz andere Probleme, Esther Friedli.  
EF: Ja, genügend Personal zu finden, ist für uns eine riesige Herausforderung. Wir wollen Mitarbeitende aus der Region einstellen. Das ist uns gelungen, aber nur verbunden mit grossen Aufwänden. Wir erleben einen Wandel in der Gastronomie, bei dem die Gäste vermehrt zu Hause bleiben und dort ihren Kaffee trinken. Deshalb versuchen wir, unseren Kunden ein erweitertes Wohnzimmer zu bieten, mit Gastfreundschaft, Herzlichkeit und guter Stimmung. Unser Essen ist gut bürgerlich. Das Fleisch beziehen wir vom Metzger in Nesslau. Was ich in der Politik predige, möchte ich auch vorleben. Deshalb kaufen wir lokal ein, also beispielsweise keine ausländischen Milchprodukte. Wir bieten zudem 15 verschiedene Biersorten aus dem Kanton St. Gallen an. Dazu haben wir unseren eigenen Bauernhof mit Eringer Kühen. Das wird von unseren Kunden geschätzt.


★ Esther Friedli (42) zieht neu in den Nationalrat, für die SVP des Kantons St. Gallen. Die Freundin des langjährigen SVP-Nationalrats Toni Brunner (41) studierte Politikwissenschaft und Kommunikation und arbeitete als Generalsekretärin des St. Galler Bildungsdepartements. 2016 wechselte das einstige CVP-Mitglied als Parteilose in die SVP. Vor zwei Jahren übernahm Friedli die Leitung des Landgasthofs Sonne in Ebnat-Kappel SG und verantwortet zusammen mit Brunners Bruder Andi (46), der das Downsyndrom hat, als Gastgeberin rund 550 Stellenprozente. 

★ Andri Silberschmidt (25) zieht neu für die FDP des Kantons Zürich in den Nationalrat. Das GastroSuisse-Mitglied ist damit der jüngste Parlamentarier der kommenden Legislatur. Zuvor war er vier Jahre lang Präsident der Jungfreisinnigen und arbeitete bis Ende Oktober 2019 zehn Jahre lang für die ZKB. Silberschmidt sitzt zudem im Gemeinderat der Stadt Zürich sowie als Verwaltungsratspräsident in der Kaisin AG, bei der er zu 25 Prozent beteiligt ist. Sie ist auf Poké Bowls spezialisiert und ist an drei Standorten in Zürich und einem in Basel vertreten.

Reto E. Wild

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Das Präsidium einer Jungpartei als Sprungbrett in die nationale Politik (Tagblatt)

6. November 2019
Sie sind jung, haben aber schon viel bewegt: Frühere Präsidentinnen und Präsidenten von Jungparteien ziehen im Nationalrat ein. Ein Phänomen, das nach den Jungsozialisten auch andere Parteien ergriffen hat. Auf Cédric Wermuth (33) folgten erst Fabian Molina (29), dann Tamara Funiciello (29). Alle drei präsidierten einst die Juso, alle drei schafften ...

Das Präsidium einer Jungpartei als Sprungbrett in die nationale Politik (Tagblatt)

6. November 2019

Sie sind jung, haben aber schon viel bewegt: Frühere Präsidentinnen und Präsidenten von Jungparteien ziehen im Nationalrat ein. Ein Phänomen, das nach den Jungsozialisten auch andere Parteien ergriffen hat.

Auf Cédric Wermuth (33) folgten erst Fabian Molina (29), dann Tamara Funiciello (29). Alle drei präsidierten einst die Juso, alle drei schafften danach den Sprung ins nationale Parlament. Eine vierte Jungsozialistin bewarb sich zwar vor drei Jahren um das Präsidium der Juso, unterlag aber in der Wahl gegen Funiciello: die heute 25-jährige Baselbieterin Samira Marti. Die frühere Co-Chefin der Juso Baselland rutschte vor einem Jahr als damals jüngste Nationalrätin nach, als Susanne Leutenegger Oberholzer ihr Amt abgab.

Im Oktober gelang Marti die glanzvolle Wiederwahl. Zusammen mit der Zürcherin Mattea Meyer (31) und dem Walliser Matthias Reynard (32) sitzen zwei weitere Vertreter der Jungsozialisten im Nationalrat.

Provokation als bewährtes Mittel

Die Jusos sind äusserst prominent unter der Bundeshauskuppel vertreten. Doch sind sie längst nicht mehr die einzigen Nationalräte, die in einer Jungpartei gross wurden und schnell Karriere machten. Der frühere Präsident der Jungen SVP Erich Hess (38) sitzt seit vier Jahren im Nationalrat. Was diese Jungpolitiker bisher auszeichnete: Sie wissen das Mittel der Provokation gekonnt für ihre Zwecke zu nutzen: Sie regen neue Diskurse an, sie generieren Aufmerksamkeit. So erlangten sie schnell nationale Berühmtheit.

Zu Hess gesellte sich vor einem halben Jahr der 27-jährige Metzger Mike Egger aus St. Gallen, der den Sitz des früheren SVP-Präsidenten Toni Brunner erbte. Er leitete zuvor die Junge SVP St. Gallen. Im Oktober neu gewählt wurde der frühere Präsident der Jungfreisinnigen, Andri Silberschmidt (25). Simon Stadler (31) aus Altdorf ist einziger Nationalrat des Kantons Uri und Mitglied der Jungen CVP. Und für die Jungen Grünen politisieren neu zwei ehemalige Kantonalpräsidentinnen in Bern: Franziska Ryser (28) aus St. Gallen und Meret Schneider (27) aus Zürich.

Erst politisches Mandat verleiht Gewicht

Die frisch Gewählten führen ihren Wahlerfolg nicht alleine auf ihr Engagement in der Jungpartei zurück – obwohl auch sie Aufsehen erregten, wenn auch auf kantonaler Ebene. Aufmerksamkeit alleine reiche nicht, sagt Andri Silberschmidt. Das Präsidium einer Jungpartei sei für ihn mehr eine Bühne als ein Sprungbrett. «Es kommt sehr darauf an, was man daraus macht.» Die Jungfreisinnigen mischten aktiv bei nationalen Abstimmungen wie der Rentenreform mit – und fanden Gehör in der Öffentlichkeit. Doch erst sein Amt als Zürcher Gemeinderat habe ihm die nötige Glaubwürdigkeit innerhalb der Partei verschafft, sagt Silberschmidt. «Ich konnte beweisen, dass ich anpacken und politische Lösungen ausarbeiten kann.»

Auch Mike Egger meint, dass eine Jungpartei zwar gute Chancen eröffne, sich erstmals politisch zu engagieren. «Denn Jungparteien getrauen sich, auch politisch ‹heikle› Themen anzureissen.» Für ihn sei aber die Kombination mit dem Kantonsratsmandat wichtig gewesen: «So konnte ich über Vorstösse wichtige Anliegen aufgleisen, die dann auch zum Erfolg führten. Etwa das Verhüllungsverbot oder die Einschränkung der Sozialhilfe bei renitenten und unkooperativen Bezügern.»

Für Franziska Ryser entpuppte sich das Präsidium des Stadtparlaments, das sie vor zwei Jahren innehatte. «Als höchste St. Gallerin hatte ich eine überparteiliche und repräsentative Funktion. Das erlaubte es mir, bei öffentlichen Auftritten auch auf Wähler zu treffen, die nicht unbedingt zu meinem Wählersegment gehören.»

Klassische Ochsentour mit 20 Jahren gestartet

Was Ryser, Egger, Stadler und Co gemeinsam haben: Trotz ihres zarten Alters blicken sie auf eine mehrjährige politische Karriere zurück. Mit 21 Jahren beginnt Ryser im St. Galler Stadtrat. Egger ergatterte mit 19 einen Sitz im Kantonsrat St. Gallen und Stadler politisiert seit bald acht Jahren im Urner Landrat und präsidierte dort die Gesundheits-, Sozial- und Umweltkommission.

Abgesehen vom eigenen Engagement betonen die Neo-Nationalräte, dass sie auch von der Mutterpartei gefördert und aufgebaut wurden. Erst der Platz auf der Hauptliste für die nationalen Wahlen ermöglichte ihnen schliesslich den Sprung nach Bern.

Für Bisherige sind die Jungen zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz erwachsen: In manchen Kantonen überholten sie bei den Wahlen bekannte Namen wie Corrado Pardini (SP/BE), Thomas Müller (SVP/SG) oder Hans-Ulrich Bigler (FDP/ZH).

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Jungfreisinnige wollen Rentenalter anheben (Blick)

6. November 2019
Die Jungfreisinnigen haben die Renteninitiative lanciert. Diese verlangt, das Rentenalter in der Schweiz schrittweise von 65 auf 66 Jahre zu erhöhen und danach an die Lebenserwartung zu koppeln. weitere Medienartikel ...

Jungfreisinnige wollen Rentenalter anheben (Blick)

6. November 2019

Die Jungfreisinnigen haben die Renteninitiative lanciert. Diese verlangt, das Rentenalter in der Schweiz schrittweise von 65 auf 66 Jahre zu erhöhen und danach an die Lebenserwartung zu koppeln.

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Morgengast von 07:17 Uhr (SRF)

30. Oktober 2019
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«Es braucht alle Generationen, um Lösungen zu finden.» (SRF Regionaljournal)

28. Oktober 2019
Andri Silberschmidt wurde am letzten Sonntag jüngster Nationalrat der Schweiz. Nun will der 25-jährige FDP-Politiker aus Zürich Brücken bauen. SRF: Das ganze Parlament wurde jünger, es gibt nun sieben unter 30-Jährige. Was bringt das den Jungen? Andri Silberschmidt: Ich glaube, es ist wichtig, dass die Jungen dabei sind, wenn Gesetze erarbeitet werden. ...

«Es braucht alle Generationen, um Lösungen zu finden.» (SRF Regionaljournal)

28. Oktober 2019

Andri Silberschmidt wurde am letzten Sonntag jüngster Nationalrat der Schweiz. Nun will der 25-jährige FDP-Politiker aus Zürich Brücken bauen.

SRF: Das ganze Parlament wurde jünger, es gibt nun sieben unter 30-Jährige. Was bringt das den Jungen?

Andri Silberschmidt: Ich glaube, es ist wichtig, dass die Jungen dabei sind, wenn Gesetze erarbeitet werden. Wir Jungen sind in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen als unsere Eltern und Grosseltern. Das ist nicht wertend, aber es ist ein Fakt.

In welchen Gebieten soll sich das konkret auswirken?

Ein wichtiges Thema ist für uns die Altersvorsorge. Aber natürlich auch die Digitalisierung . Wir sind nicht kompetenter. Es braucht alle Generationen, um Lösungen zu finden. Aber wir Jungen haben einen anderen Umgang mit der Digitalisierung und da ist es gut, wenn wir auch Inputs liefern.

In ihrer ersten Session im Nationalrat im Dezember geht es um das CO2-Gesetz. Soll man den Vorschlag des Ständerates (u. a. Abgabe auf Flugtickets, 12 Rappen Abgabe auf Benzin und Diesel) verschärfen oder abschwächen, wie das auch Parteikollegen von Ihnen schon vorgeschlagen haben?

Man soll es nicht verwässern, aber auch nicht massiv verschärfen. Dann könnte die SVP das Referendum ergreifen und das Gesetz könnte vor dem Volk scheitern. Das muss man unbedingt vermeiden.

Die Grünen möchten auch stärkere Vorschriften für Banken, dass sie nicht mehr weltweit in Gas-, Öl- oder Kohleprojekte investieren. Was sagen Sie als Banker dazu?

Die Banken machen in dieser Beziehung schon viel. Verbote wären aber falsch. Man kann die Welt nicht von heute auf morgen retten… Wir müssen auch die Arbeitsplätze in der Schweiz schützen.

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