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«Niemand heisst Donald Duck» (Blick)

Nach dem Superspreader-Event in Zürich reagieren Politiker. Die Öffnung der Clubs sei schlicht fahrlässig, findet Grünen-Nationalrat Bastien Girod. Mauro Tuena von der SVP sieht auch die Clubs in der Pflicht – insbesondere was Kontaktlisten betrifft.

Es war ein Partyabend mit Folgen: Ein Mann hat im Zürcher Club Flamingo mindestens fünf weitere Personen angesteckt, 300 Menschen müssen in Quarantäne – wenn sie denn kontaktiert werden können. Denn mindestens ein Drittel der Adressen der Clubbesucher war falsch.

Einer, der das Zürcher Nachtleben gut kennt, ist SVP-Nationalrat Mauro Tuena (48). Und er zeigt sich «schockiert», dass derart viele Gäste des Clubs falsche Adressen hinterlassen hatten. Doch wie seine Parteikollegin Rickli sieht auch er die Clubs in der Verantwortung. «Niemand heisst Donald Duck oder dergleichen.» Es gelte, genauer hinzuschauen – sonst drohe eine generelle Clubschliessung.

Ganz grundsätzlich hat Tuena aber auch Lob für die Clubbetreiber. «Alle, von welchen ich gehört habe, führen Kontaktlisten.» Ohnehin viel wichtiger als die Auflagen für den Club sei es, die Abstands- und Hygieneregeln überall umzusetzen. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es an einer Demonstration oder illegalen Hausbesetzerparty zum Superspreader-Event kommt.» Und dort wisse dann niemand, wer anwesend gewesen sei.

Öffnen war «fahrlässig»

Doch nebst den Schwierigkeiten beim Contact Tracing: Dass es gerade im Nachtleben zu einer Häufung der Ansteckungen kommt, erinnert an Südkorea. Just am Tag der Lockerungen sorgte dort ein einzelner Partygänger für einen erneuten Anstieg. Die Schweizer Behörden wären gewarnt gewesen – und haben vielleicht einen Lockerungsschritt zu viel getan.

«Schlicht fahrlässig», findet Grünen-Nationalrat Bastien Girod (39) den Entscheid, die Clubs wieder öffnen zu lassen. Er habe mit einem Fall wie in Zürich gerechnet, schliesslich seien Abstand halten und Hygienemassnahmen in einem Nachtclub kaum möglich.

Müsste man also dem gerade erst wiedererwachten Nachtleben einen Riegel schieben? «Nicht unbedingt», findet Girod. Aber: «Wenn man die Clubs offen behalten will, muss man zumindest bei den Grenzen strenger sein.» Schliesslich sei der Anstieg der Corona-Infektionen zumindest teilweise auf importierte Fälle aus dem Ausland zurückzuführen.

Krise noch lange nicht zu Ende

Auch FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt (26) redet punkto Nachtleben von einem «unnötigen Risiko». Der Fall in Zürich zeige, «dass die Corona-Krise nun einmal noch lange nicht zu Ende ist». Er habe aber Verständnis für den Schritt. «Man kann nicht Demonstrationen mit Tausenden Leuten erlauben und einem Clubbetreiber mit Existenzsorgen sagen, er müsse geschlossen bleiben.» Wichtig sei das konsequente Contact Tracing der erkrankten Personen und ihrer Kontakte – und das Verifizieren der E-Mail-Adressen.

«Es ist bekannt, dass es heikle Veranstaltungen sind», sagt auch SP-Nationalrat und Hausarzt Angelo Barrile (43). «Deshalb war ich überrascht, durften sie so schnell wieder öffnen.» Nach einer Clubschliessung ruft aber auch er nicht. Vorerst gelte es nun, die Situation eng zu beobachten. «Ich hoffe, von den 300 Clubgästen hat in der vergangenen Woche niemand weitere Menschen angesteckt.»

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