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Rede anlässlich der Diplomfeier der AbsolventInnen Betriebsökonomie der ZHAW

Es gilt das gesprochene Wort (insbesondere deshalb, da die Rede frei gehalten wurde)

Liebe Absolventinnen und Absolventen

Geschätzte Dozentinnen und Dozenten

Sehr geehrte Damen und Herren

Was macht Euch so richtig Freude im Leben? Ist es die Genugtuung, wenn man tägliche Herausforderungen erfolgreich meistert? Oder Träume, die man versucht, Schritt für Schritt in die Wirklichkeit umzusetzen? Oder einfach die Realität, das Hier und Jetzt, das einem ganz zufriedenstellt?

Wenn es das Meistern von täglichen Herausforderungen ist, dann seid ihr nach dem Abschluss des Bachelors an der ZHAW bestens dafür geeignet. Erhebungen des Bundesamts für Statistik zeigen, dass 97% der Fachhochschulabsolventinneun und -absolventen ein Jahr nach ihrem Abschluss einen Job haben. Der Lohn der Absolventinnen und -absolventen nahm 5 Jahren nach dem Abschluss um 15 % zu, wie Zahlen von FH SCHWEIZ zeigen. Man kann also auch sagen: Der Studienabschluss an einer Fachhochschule kommt einer Jobgarantie gleich. Ihr habt euch ausgebildet, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Als Präsident von FH SCHWEIZ – dem Dachverband der Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen – freut es mich besonders, dass jedes Jahr mehr Menschen den Weg eines FH-Studiums einschlagen. Denn ich bin überzeugt: Die Kombination aus Theorie und Praxis ist einmalig – und durch und durch erfolgreich. Das duale Bildungssystem der Schweiz ist die Basis für die vielen, gut bezahlten Arbeitsplätze in der Schweiz.

Der Grossteil des Wertes des Fachhochschulstudiums hängt von der Akzeptanz in der Wirtschaft ab. Hierfür ist auch die Politik mitverantwortlich. Wenn ihr diese Bemühungen unterstützen wollt, so werdet noch heute Mitglied des Alumni Vereins der ZHAW – ihr stärkt damit nicht nur Euer eigenes Netzwerk, sondern auch die Fachhochschullandschaft Schweiz. Dieser Werbespot lag mir am Herzen – denn Eure FH Reise endet nicht heute, sie beginnt erst so richtig.

Doch nochmals zurück zur Frage, was Euch so richtig Freude macht im Leben – ausser natürlich das Bestehen des Studiums. Sind es nicht die täglichen Herausforderungen, sondern vielleicht doch die Träume, welche man im Leben verfolgt?

Träume nehmen einem in eine Welt mit, welche heute so nicht besteht. Träume sind somit meist der Ursprung von unternehmerischem Handel. Wenn ich von unternehmerischem Handeln spreche, geht es in erster Linie nicht um die Gründerinnen und Gründer, sondern um alle Menschen im Arbeitsleben, die durch ihre Arbeit den Unterschied ausmachen können. 

Und von diesem brauchen wir mehr denn je! Die letzten 18 Monate haben uns gezeigt, welches Anpassungs- und Innovationspotenzial in uns allen steckt. Wenn ich in die Zukunft blicke, dann brauchen wir Menschen mit Visionen, mit Utopien, aber auch Praktiker, welche diese Ideen auf den Boden bringen. Jeder ETH Absolvent, der eine Firma gründet, braucht einen FH Absolventen, der die Idee in die Wirklichkeit begleitet – davon bin ich überzeugt. Interdisziplinäre Teams werden in Zukunft am erfolgreichsten sein. Ihr werdet zwar denken, dass man mit Porter Five Forces und der Kenntnis des St. Galler Managementmodells die Welt nicht neu erfinden kann. Ich kann Euch sagen: Unterschätzt nicht, was ihr alles gelernt habt. 

Wenn ich über unternehmerisches Denken und Handeln spreche, sind mir 3 Themen besonders wichtig:

  • Erstens: Geht bewusst Risiken ein. Falls ihr mehr zum Thema Risiko lernen wollt, empfehle ich Euch die Lektüre des Buchs Black Swan von Nassim Taleb. Er beschreibt in eindrücklicher Art und Weise, wie das Eingehen von Risiken uns weiterbringt. Wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts. Der Unterschied macht aber aus, ob ihr die Risiken, welche ihr eingeht, Euch bewusst sind und tragen könnt, oder eben nicht. Das heisst: Überlegt Euch, in welchem Ausmass ihr zu was für Risiken exponiert seid. Geht nur die Risiken ein, welche Euch nicht in existenzielle Bedrängnis bringt.
  • Zweitens: Übernehmt Verantwortung. Derselbe Autor von Black Swan hat im Buch Skin in the Game treffend gesagt, dass Menschen, die Verantwortung über ihr eigenes Handeln tragen, viel nachhaltiger handeln. Schaut also, dass ihr selbst Verantwortung übernehmt und dass ihr mit Menschen zu tun habt, welche für das geradestehen, was sie tun – in guten wie in schlechten Zeiten. Menschen, welche grosse, unbekannte Risiken zur kurzfristigen Optimierung eingehen, bringen Euch nicht weiter.
  • Drittens: Geduld schlägt Talent. Werdet Eure eigenen Unternehmer. Ihr habt es in der Hand – falls ihr das nicht schon tut – um Euer Leben als Unternehmen zu denken. Was treibt Euch an, was wollt ihr bewegen und wohin? Wenn ihr einmal wisst, wohin die Reise geht, dann seid geduldig. Es mag in meinem Alter zwar unglaublich altklug tönen, aber Geduld schlägt Talent. Wer fokussiert seinen Weg geht, wird am Schluss mehr Erfolg und Zufriedenheit ernten als der, welcher immer auf neuen Hochzeiten tanzt. Das gilt wohl für das ganze Leben. 

Gerne untermaure ich an dieser Stelle – das wurde von mir gewünscht – die Theorie mit etwas Praxis aus meinem Leben. Wie man das eben an einer Fachhochschule auch macht.

  • Als ein paar Freunde und ich zusammen die Gastronomiefirma kaisin. gegründet haben, war unser Risiko bekannt, und beschränkt. Wir haben die Idee zu Beginn in einem Pop-Up getestet und nach 4 Monaten Fazit gezogen. Danach haben wir mit dem dannzumal erwirtschafteten Geld den ersten Standort eröffnet und sind bis heute – 4 Jahre später – auf 8 Standorte und über 50 Mitarbeitende angewachsen. Das Wachstum aus operativem Geldfluss hat uns erlaubt, immer neue Risiken einzugehen, aber nicht solche, welche unsere persönliche Existenz betroffen hätte.
  • Als Kandidat für ein Amt im Nationalrat ist man gezwungen, seinen eigenen Namen und Gesicht während einem Jahr – also im Wahlkampf – an verschiedenen Orten wiederzuerkennen. Man steht also mit Namen und Gesicht hin. Für eine Partei. Für eine Botschaft. Für eine Schweiz mit viel Zukunft. Man übernimmt täglich Verantwortung für die eigenen Worte und das Handeln.

Als ich mich vor Kurzem mit dem Patron einer grossen Schweizer Firma ausgetauscht habe, ist mir bei ihm auf dem Tisch eine Skulptur aufgefallen. Sie stellt einen Narwal dar. Narwale sind seltene Meerestiere, die wie ein Einhorn am Kopf ein grosses Horn haben. Der Wal lebt in der Nähe des Packeisen rund um Grönland. Das Lebewesen – welches nicht besonders schön anzusehen ist – vereint vier Merkmale, welche ich bei der Planung meiner persönlichen Zukunft immer verfolge:

  • Erstens: Fokus. Mit seinem langen, spitzen Horn ist der Narwal enorm gefährlich – jedoch nur, wenn er richtig zielt. Zielt der Wal mit dem Horn am Ziel vorbei, geht keine Gefahr von ihm aus. Dasselbe gilt für das Leben: Wer keinen klaren Fokus setzt, der verzettelt sich und macht am Schluss vieles, aber nicht vieles richtig. Ich bin mir bewusst, dass es etwas seltsam klingt, wenn ich das sage. Aber ich kann versichern: Das, was ich mache, mache ich mit vollem Fokus. 
  • Zweitens: Diskretion. Der Wal lebt unter dem Wasser, ist also nur selten sichtbar. Adaptiert für das Menschenleben heisst das, dass man lieber underpromised und dann dafür overdelivered. Lieber tritt man nur selten in Erscheinung, aber wenn, dann richtig. Die sozialen Medien können einem dazu verleiten, überall omnipräsent zu sein. Ich bin aber überzeugt, dass man sich damit – zumindest im beruflichen und politischen Kontext –keinen Gefallen tut. 
  • Drittens: Schnelligkeit. Ein Wal muss schnell sein, um seine Beute zu erwischen. Ähnliches gilt im Leben. Wer vorwärtskommen will, muss eine Extrameile gehen – oder eben rennen. Der Tag hat für alle 24 Stunden, die Frage ist nur, wer diese am besten nutzt.
  • Viertens: Schlagkraft. Die Schlagkraft ergibt sich im Resultat aus den 3 erwähnten Merkmalen Fokus, Diskretion und Schnelligkeit. Wenn man diese befolgt, dann hat das eigene Tun am Schluss auch Wirkung im Ziel. Das ist das, was zählt.

Für die Planung meiner unmittelbaren Zukunft nehme ich mir ein Wochenende pro Jahr Zeit. Ich gehe jeden bestehenden Engagements durch, überlege mir, wo ich Schwerpunkte setzen will, und leite daraus Massnahmen ab, die ich dann innert 12 Monaten umzusetzen habe. Bisher ist mir das gut gelungen.

Um im Alltag die nötige Energie und Freude zu haben, all dies umzusetzen, habe ich mir wenige aber wichtige Regeln auferlegt: Ich versuche, keinen Alkohol unter der Woche zu trinken – auch keine Negroni, ich schlafe mindestens 7.5 Stunden pro Tag und mache mindestens 3-mal pro Woche Sport. Ich bin überzeugt, dass diese drei Massnahmen meine Leistungsfähigkeit massiv verstärken.

Ich hoffe, Euch damit einen kurzen Einblick gegeben zu haben, an welche Grundsätze ich im Leben mich halte. Natürlich ist das alles sehr individuell – jede und jeder muss für sich selbst entscheiden, auf was man bewusst Wert legen will. Wenn es etwas gibt, was ich Euch heute mit auf den Weg geben will, dann: Werdet Eure eigenen Unternehmer, indem ihr Eure Zukunft aktiv in die Hand nehmt und plant. Geht bewusste Risiken ein, das bringt Euch weiter und macht zudem auch Freude.

Doch jetzt wünsche ich Euch eine tolle Feier und gratuliere ganz herzlich zu Eurem tollen Abschluss, der eine wirklich gute Basis für Eure Zukunft ist.


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