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Startups und Liquiditätshilfen: Nationalräte haken nach (startupticker.ch)

Das am Freitag bekannt gegebene Massnahmenpaket des Bundesrates ist weitherum gut aufgenommen worden. Eine genauere Lektüre zeigt jedoch die Gefahr, dass Startups bei der Unterstützung leer ausgehen könnten. Deswegen fordert die Parlamentarische Gruppe Startups und Unternehmertum Anpassungen und einen Pandemiefonds.

Die umfassenden Unterstützungsleitungen, die der Bundesrat vergangene Woche vorgestellt hat und das Tempo, mit dem sie erarbeitet wurden, sind bei Unternehmern auf breite Zustimmung gestossen. Dies nicht zuletzt, weil Forderungen, die aus Unternehmerkreisen immer wieder gestellt worden waren, nun Beachtung gefunden haben. Dies gilt insbesondere für die Ausweitung der Kurzarbeit. Die Kurzarbeitsentschädigung kann neu auch für arbeitgeberähnliche Angestellte ausgerichtet werden. Als arbeitgeberähnliche Angestellte gelten z.B. Gründer einer GmbH, oder Mitinhaber einer AG, welche als Angestellte gegen Entlohnung im Betrieb arbeiten. Zudem wurden die entsprechenden Anträge vereinfacht.

An diesem Punkt wird allerdings kritisiert, dass Mitinhaber von Unternehmen nur eine Pauschale von 3320.- Franken als Kurzarbeitsentschädigung für eine Vollzeitstelle geltend machen können und nicht 80% des vollen Gehalts wie andere Angestellte. Die Ungleichbehandlung ist in der Tat schwer zu verstehen, da auch Mitinhaber die vollen Beträge für die Arbeitslosenversicherung zahlen müssen.

Startups bei Liquiditätshilfen im toten Winkel
Wichtiger sind indes Probleme bei der Liquiditätshilfen. Betroffene Unternehmen sollen rasch und unkompliziert Kreditbeträge bis zu 10% des Umsatzes erhalten. Für Startups, die sich in der Entwicklungsphase befinden und kaum Umsätze erzielen, ist dies kein tauglicher Massstab. Zudem ist fraglich, ob Banken und Bürgschaftsgenossenschaften, die die Kredite bewilligen sollen, das notwendige Know-how in Sachen Startup mitbringen.

Aufgrund dieser Schwierigkeiten haben die Nationalräte Judith Bellaiche und Andri Silberschmidt im Namen der Parlamentarischen Gruppe Startups und Unternehmertum einen zweiten Brief mit Forderungen an den Bundesrat geschrieben, der Startupticker vorliegt. Der erste Brief war vergangene Woche übergeben worden.

Damit auch Startups von den Liquiditätshilfen profitieren können, schlagen Bellaiche und Silberschmidt eine zweigeteilte Unterstützung vor.

  • Überbrückungskredite von bis zu CHF 500’000 stehen auch Unternehmen zur Verfügung, die noch keine repräsentativen Geschäftsergebnisse aufweisen können, wobei, die Kapitalgeber eine minimale Prüfung der Business Pläne vornehmen sollen. Für die Unterstützung qualifiziert sein sollen etwa Startups, die schon Finanzierungsrunden abgeschlossen haben, Träger eines Spin-off Labels sind oder von der Innosuisse gefördert wurden.
  • Für Finanzierungshilfen von über 500‘000 Franken soll ein Pandemiefonds analog zum Technologiefonds geschaffen werden. Der Bund soll dabei Bürgschaften für die vom Fonds gewährten (Wandel-)Darlehen an Schweizer Startups übernehmen. Der Fonds soll breit verankert sein und professionell verwaltet werden. Die Vergabe von Darlehen soll sich an den Grundsätzen von Risikokapitalprüfungen orientieren.

Die Forderungen sind dem Bundesrat bereits übergeben worden. Nun ist abzuwarten, wie sie berücksichtigt und umgesetzt werden und welche Erfahrungen Startups mit dem Hilfspaket in der Praxis machen. (Stefan Kyora)

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